„Ahasver“

30. Oktober 1981
Deutsches Literaturarchiv Marbach

Veranstaltungsort


Hoser's Buchhandlung, Stuttgart

Lesung: Stefan Heym
Sammlung „Hoser's Buchhandlung“: Tonband 52

Weiterführende Informationen

[Tonstörungen am Anfang der Aufnahme.]

Nach der Lektüre des ersten Kapitels erwähnt Stefan Heym, warum er eine Neuinterpretation jener antijudaistischen Gründungsmythe vom Ewigen Juden geschrieben habe: Es sei ihm um die Motivation Ahasvers gegangen, Jesus auf dem Weg nach Golgatha die Rast zu verweigern. Ahasver müsse mehr gewesen sein als ein einfacher jüdischer Schuster; er benötigte vielmehr eine Biographie an Bedeutung derjenigen Jesu gleich. Also wird in Heyms Roman Ahasver zu einem gefallenen Engel, der sich weigert, das Knie vor dem neu geschaffenen Adam zu beugen. Diese Prämisse führt zu den drei Erzählebenen, von denen Heym unterschiedliche Kapitel liest: Da wäre zum einen die mythologische Ebene, zum anderen die Handlung um den antijüdischen Reformator Paulus von Eitzen und zu letzt der Briefwechsel zwischen den Professoren Jochanaan Leuchtentrager von der Hebrew University, Jerusalem, und Sigfried Beifuß vom fiktiven Institut für wissenschaftlichen Atheismus in Ost-Berlin.

Anschließend beantwortet Heym Fragen aus dem Publikum. Darin beschreibt er einigermaßen deutlich seine Position als DDR-Autor mit nunmehr vier verbotenen Büchern.

Die Sammlung der Buchhandlung "Hoser" umfasst 85 Tonbänder von Autorenlesungen, die dem Deutschen Literaturarchiv Marbach von der Familie Storz gestiftet wurden. Begonnen 1974, wurden von 1976 bis 1988 die Veranstaltungen mitgeschnitten. Das Programm wirkte stilbildend auf andere Buchhändler und wurde ein wichtiger Teil des Stuttgarter Kulturlebens.  

[Die Lesung im Marbacher Online-Katalog findet sich hier.]

Personen auf dem Podium