Ein Abend mit Stanisław Lem und seinen phantastischen Geschichten

16. April 1980
Deutsches Literaturarchiv Marbach

Veranstaltungsort


Hoser's Buchhandlung, Stuttgart

Lesung: Stanisław Lem
Sammlung „Hoser's Buchhandlung“. Tonband 41

Weiterführende Informationen

Entgegen der Ankündigung im Programm liest Stanisław Lem keines seiner Werke, sondern improvisiert in der ersten Hälfte einen Vortrag über sich und sein Werk. Darin verbindet er Biographisches mit Einblicken in seine Schreibprozesse. Er erwähnt Rilkes Einfluss in seiner Jugend und spricht über seine Entwicklung zum Science-Fiction-Schriftsteller, die er auch daraus begründet, dass er bei sich selbst eine Neugier für zukünftige Möglichkeiten entdeckte. Ironisch beschreibt er sich selbst als apostolisch Wirkenden, der gerade die amerikanische Science-Fiction zu bekehren versuchte, futurologischer zu werden, das heißt, nicht nur fiktive Lösungen für lediglich fiktive Probleme zu finden.

Das anschließende, ausführliche Publikumsgespräch dreht sich um Lems wissenschaftlichen Hintergrund, seine Haltung gegenüber der deutschen zeitgenössischen Literatur und um die Frage, wie und ob Lems Erfahrungen unter deutscher Besatzung in Polen sein Schreiben geprägt hätten, worauf Lem höflich aber zurückweisend reagiert.

Die Sammlung der Buchhandlung "Hoser" umfasst 85 Tonbänder von Autorenlesungen, die dem Deutschen Literaturarchiv Marbach von der Familie Storz gestiftet wurden. Begonnen 1974, wurden von 1976 bis 1988 die Veranstaltungen mitgeschnitten. Das Programm wirkte stilbildend auf andere Buchhändler und wurde ein wichtiger Teil des Stuttgarter Kulturlebens.  

[Die Lesung im Marbacher Online-Katalog findet sich hier.]

Personen auf dem Podium