Empfindlichkeiten – der zweite Festivaltag. Panel I: Maske

15. Juli 2016
Literarisches Colloquium Berlin

Maske. Statements und Diskussion
Panel mit Ahmet Sami Özbudak (Istanbul), Angela Steidele (Köln), Hilary McCollum (Donegal), Thomas Meinecke (Eurasburg) und Robert Gillett (London)
Moderation: Franziska Bergmann
Dolmetscherin: Banu Cicek Tülü
Diskussion in englischer Sprache

Programmtext

„Gibt es so etwas wie einen Stil der Homosexuellen, gibt es homosexuelle Romanciers im Gegensatz zu Schriftstellern mit homosexuellen Neigungen? Henry James veräppelt Mrs. Penniman, die Wörter kursiv setzt. Henry James setzt kursiv, in Anführungsstriche, in Klammern. Schwule Sprache ist uneigentlich, ist indirekte Sprache. Nirgends so viele Anführungsstriche wie auf dem Plakat zum Faschingsfest in der Stricherbar. Aber sind Sousentendus, Verfremdungen, Übertreibungen, Ironie, Travestie bei Henry James häufiger als bei Guy de Maupassant oder bei Norman Mailer – die Wahl der Beispiele drückt kein Qualitätsurteil aus –, es ist nur so schwer, erklärt heterosexuelle Schriftsteller zu finden. Von homosexuellen Autoren, von homosexueller Literatur sprechen, setzt voraus, daß es heterosexuellen literarischen Stil gibt, heterosexuelle Kriteria. Und: Kann es die Aufgabe der Literaturkritik sein, biologistische Kriterien zu kanonisieren, die von den Biologen jede Saison ausgewechselt werden?”
Hubert Fichte, Die Geschichte der Empfindlichkeit. Homosexualität und Literatur I (1982), S. 457

Und die queere Gegenwart? Autor*innen aus unterschiedlichen Staaten und Kulturräumen haben für das Festival kurze Statements zu politischen Realitäten und ästhetischen Positionen geschrieben. Die Diskussion ist eröffnet.

Personen auf dem Podium