„Erinnerungen“

28. November 1979
Deutsches Literaturarchiv Marbach

Veranstaltungsort


Hoser's Buchhandlung, Stuttgart

Gespräch: Carlo Schmid und Emil Obermann
Sammlung „Hoser's Buchhandlung“: Tonband 37/38

Weiterführende Informationen

Warum Carlo  Schmid seine Erinnerungen geschrieben habe? Weil einer erzählen solle, „wie es wirklich war“, der lange genug gelebt habe und die Möglichkeit gehabt habe, an einigen Dingen teilzunehmen. Carlo Schmids Leben umspannt tatsächlich alle entscheidenden Stationen der deutschen Geschichte seit dem Ersten Weltkrieg. Er starb nur 13 Tage nach der hier dokumentierten Veranstaltung. Die Aufnahme lässt sich daher als sein gesprochenes Vermächtnis begreifen. Neben seinen Lebensstationen, insbesondere der Gründungszeit der Bundesrepublik und den Geschehnissen im 1918/19, geht es dann auch um zentrale Begriffe wie Grundrechte, Patriotismus, Vernunft und Aufklärung sowie die Frage nach der richtigen Rolle des Staates gegenüber seinen Bürgern, die besonderen Bedingungen deutscher Staatlichkeit und die klassische Bildung als europäisches Moment. 

Die historische Bedeutung dieses Tondokuments wird begleitet von einer im weitesten Sinne dialektalen: Carlo Schmid, der in Weil der Stadt und Stuttgart aufgewachsen ist, schlägt sofort den Ton des typischen Stuttgarter Schwäbisch an, den man etwa von Max Horkheimer oder Fritz Bauer kennt. Dies verleiht dem Erinnerungsgespräch einerseits eine eigentümliche Intimität, andererseits unterstreicht es die große kommunikative Souveränität Carlo Schmids.

Die Sammlung der Buchhandlung "Hoser" umfasst 85 Tonbänder von Autorenlesungen, die dem Deutschen Literaturarchiv Marbach von der Familie Storz gestiftet wurden. Begonnen 1974, wurden von 1976 bis 1988 die Veranstaltungen mitgeschnitten. Das Programm wirkte stilbildend auf andere Buchhändler und wurde ein wichtiger Teil des Stuttgarter Kulturlebens.  

[Die Lesung im Marbacher Online-Katalog findet sich hier.]

Personen auf dem Podium