„Gestörte Balance“

09. Oktober 1996
Deutsches Literaturarchiv Marbach

Lesung: Fritz J. Raddatz

Weiterführende Informationen

Das Liebespaar Myriam, eine erfolgreiche Kostüm- und Bühnenbildnerin, und Oliver, Sohn einer spanischen Gastarbeiterfamilie und Archivar, schreiben unabhängig von einander und ohne es vom anderen zu wissen, ihr Tagebuch. Im Laufe des Romans stelle sich, so Fritz J. Raddatz, heraus, dass die beiden die gleichen Ereignisse, vom banaleren eines gemeinsamen Essens bis zum bedeutenderen einer gemeinsam verbrachten Nacht, sehr unterschiedlich wahrnehmen. Schließlich tritt eine dritte Hauptperson, der knapp 60-jährige Augenarzt Georg, auf. An diesem Punkt setzt die Lesung ein.

Die wechselnd wiedergegebenen Tagebücher ergeben dabei das Bild eines Paares, das sich letztlich nicht kennt, sondern in Beziehungs-, Bildungs-, und Lifestyle-Klischees Maskenball betreibt. In Venedig schließlich betrügt Myriam Oliver mit Georg. Während Oliver mit der ausländerfeindlichen Stimmung in Deutschland konfrontiert ist, erfährt Myriam, dass Georg ein Überlebender der Shoa ist - was in ihr einen doch fragwürdigen erotischen Kitzel auslöst. 

Erotik, sexuelle Rollenaufteilung, Lifestyle, Politik und Erinnerung gehen in diesem Liebesroman des Literaturkritikers aus dem Kulturbetrieb eine Melange ein, die nachhaltig Balancen stört.

 

 

Personen auf dem Podium