Literarischer Club

18. September 1997
Literarisches Colloquium Berlin

Gesprächsteilnehmer: Martin Lüdke, Beate Pinkerneil, Elke Schmitter und Gustav Seibt

Programmtext

Vier Neuerscheinungen im Urteil der Literaturkritik: Christoph D. Brumme, "Tausend Tage" (Kiepenhuer & Witsch); Alan Isler, "Op. non cit", aus dem amerikanischen Englisch von Heidi Zerning (Berlin Verlag); Antonio Tabucchi, "Der verschwundene Kopf des Damasceno Monteiro", aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl, (Hanser); Aleksandar Tisma, "Kapo", aus dem Serbokroatischen von Barbara Antkowiak, (Hanser). Die Diskussionsteilnehmer: Mathias Schreiber (Der Spiegel, Hamburg), Gustav Seibt (Berliner Zeitung), Martin Lüdke (SWF, Mainz) und die Gesprächsleiterin Beate Pinkerneil (ZDF, Berlin).

Anmerkung: In dieser Sendung hatte Mathias Schreiber abgesagt, Elke Schmitter sprang für ihn ein.

Weiterführende Information

Als erstes wurde der Novellenband des amerikanischen Autors Alan Isler "Op.non cit." besprochen. Der Autor thematisiert darin den Antisemitismus aus verschiedenen historischen Perspektiven. Die Diskussionsteilnehmer mochten das Buch, fanden es jedoch auch ein wenig zu glatt, zu perfekt geschrieben.
Christoph D. Brummes Entwicklungsroman "Tausend Tage", der die Erlebnisse eines jungen Mannes in der DDR der 80er Jahre zum Thema hat, werteten die Kitiker als langweiligen Thesenroman- und kritisierten das "additive Verfahren" des Autors.
Amüsant und kontrovers schließlich die Debatte über Tabucchis Roman "Der verschwundene Kopf des Damasceno Monteiro". Gustav Seibt findet Tabucchis Buch grotesk schlecht - ein Urteil, das Beate Pinkerneil und Martin Lüdke ein wenig indigniert.
Beeindruckt sind die Kritiker schließlich von Tismas Roman "Kapo". Sie attestieren diesem Text eine "höchste poetische Kraft" bei der Darstellung des Grauens der KZs.

Personen auf dem Podium