Studio LCB mit Klaus Schlesinger

16. Mai 1995
Literarisches Colloquium Berlin

Lesung: Klaus Schlesinger
Gäste: György Dalos, Hans-Jürgen Schmitt
Moderation: Hubert Winkels

Programmtext

Klaus Schlesingers Texte erzählen Geschichte von Menschen in Berlin. In "Fliegender Wechsel", seiner letzten größeren Veröffentlichung, thematisierte er seine Erfahrungen bei der Übersiedlung von Ost- nach West-Berlin. Er liest aus seinem neuen Werk, das einen Sonntag in der Dunckerstraße im Jahr 1950 beschreibt. Gesprächspartner sind der ungarische Schriftsteller György Dalos ("Der Versteckspieler", 1994) und der Kritiker Hans-Jürgen Schmitt, der im vergangenen Jahr die Briefe Franz Fühmanns herausgegeben hat.

 

 

Weiterführende Informationen

In dieser Lesung beschäftigen sich die Teilnehmer mit der Geschichte der DDR anhand der Person Klaus Schlesingers und seines Werkes. Entlang der Biographie erörtert man die Stationen des langsamen staatspolitischen Verfalls des ehemaligen deutschen Arbeiter- und Bauernstaates. Man akzentuiert die Tiefpunkte wie z.B. die Biermann-Ausbürgerung oder klärt auf, wie der Mythos vom literarisch interessierten DDR-Bürger entstand.
Bedeutung für die Genese des sozialistischen Experiments auf deutschem Boden hat das Kriegsende, darin sind sich die Diskutanten einig. Auf zweierlei Weisen prägt dieser Schwerpunkt die Sendung. Zum einen, weil Klaus Schlesinger zu der Generation gehört (Jahrgang 1936), die Opfer der nationalsozialistischen Indoktrination wurden - und schmerzvoll ein pervers verzerrtes, eingepflanztes Weltbild abarbeiten mussten. Zum anderen, weil der Autor aus einem Manuskript vorliest, aus dem wenig später der Roman "Die Sache mit Randow" wurde. Die Handlung, die im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg spielt, ist zweigeteilt. Ein Teil der Story spielt in der unmittelbaren Nachkriegszeit, der andere Abschnitt beschäftigt sich mit der Zeit kurz vor und nach dem Mauerfall.
Unter der Beleuchtung einer solchen historischen Betrachtung lässt sich die Frühphase der DDR auch als Experiment deuten, nämlich als Installation einer vollkommen nazifreien Zone.

Personen auf dem Podium