Studio LCB mit Ulrich Peltzer und Kathrin Röggla

18. Dezember 2001
Literarisches Colloquium Berlin

Lesung: Ulrich Peltzer und Kathrin Röggla
Gesprächspartner: Helmut Böttiger und Ursula März
Moderation: Hubert Winkels

Für diese Veranstaltung liegen uns die Onlinerechte für eine 10-minütige Hörprobe der Lesung aus dem vorgestellten Text vor.

Programmtext

Auf den ersten Blick scheinen Ulrich Peltzers und Kathrin Rögglas literarische Arbeiten nur schwer vergleichbar. Ulrich Peltzer entwickelt die Geschichten seiner Helden linear. Er stellt sie in gesellschaftliche Entwicklungen, fächert Milieus aus, reibt Politisches an Privatem und verdichtet seinen Stoff in reflexiv durchdrungenen, aber sehr konkret geschilderten Szenen. Kathrin Röggla hingegen stürzt sich unmittelbar hinein in die ergehenden Reden, seien es Szenegespräche, Kommentare zur Lage, Medienklischees oder das Gewuchere innerer oder äußerer Monologe. Figuren, Räume, Handlungen entstehen indirekt aus den verzerrten Sprachformen, die zu einer schnellen, rhythmischen Suada verschnitten werden. Und doch ist beiden gemeinsam, daß sie sich sehr bewußt um eine Sprache bemühen, die gesellschaftliche Phänomene konkret zu fassen vermag. "Alle oder keiner" heißt der jüngste Roman von Ulrich Peltzer, nach einem emanzipatorischen Slogan der italienischen Linken aus den 70er Jahren. Der Titel "abrauschen" von Kathrin Röggla knüpft ganz direkt an einen subkulturellen Gegenwartsslang an. Ulrich Peltzer wird aus einer neuen Erzählung lesen, die einen in New York arbeitenden Literaturwissenschaftler durch die Literatur und das Leben begleitet. Kathrin Röggla, die die letzten Monate in New York zubrachte, spiegelt mit reportagehaften literarischen "Mitschnitten" von TV-, Sprach- und Bildemissionen aller Art die momentane Situation der Stadt. Die Literaturkritiker Ursula März und Helmut Böttiger werden mit den Autoren diskutieren.

Weiterführende Informationen

In der Sendung wendet man sich zwei Schwerpunkten zu: Wie sich Berlin nach der Wende verändert hat, wird aus der Perspektive von Autoren erläutert, die Ende der 80er oder zu Beginn der 90er in die geteilte Stadt zogen. Und ob der Charakter New Yorks nach den Anschlägen des elften Septembers gelitten hat, erörtern jeweils Kathrin Röggla und Ulrich Peltzer. Beide kennen die Stadt gut und lebten just zur Zeit der Terroranschläge dort. So geht es hier einerseits um die Beobachtung eines außergewöhnlichen Gewaltausbruches in einem metropolitanen, friedlichen Zusammenhang - und wie dieser sich unmittelbar auf das Schreiben auswirkt. Und andererseits thematisiert man auch das alte, bekannte Verhältnis des Schriftstellers zur Urbanität - aus einem heutigen Blickwinkel. Wie lebte sich ein Leben der Bohème im Berlin der 90er Jahre?

 

Personen auf dem Podium