Zeitzeugen berichten: Gründerzeit der DDR, Erwartungen und Enttäuschungen.

10. Oktober 2002
Deutsches Literaturarchiv Marbach

Veranstaltungsort


Goethe-Institut Amsterdam

Vortrag: Wolfgang Leonhard
Moderation: Jacco Pekelder
Sammlung „Goethe-Institut Amsterdam“: Tonkassette 150

Programmtext

Der in Wien 1921 geborene politische Autor, Ost-Experte, Publizist und Historiker verbrachte ein Großteil seiner Jugend in Moskau und wurde Mitarbeiter von Walter Ulbricht, der 1945 nach Ost-Berlin ging, um die DDR aufzurichten. Als neues Talent innerhalb der kommunistischen Partei kehrte er dieser 1949 den Rücken und reiste über Jugoslawien nach West-Deutschland. 1954 erschien sein berühmtes Buch „Die Revolution entläßt ihre Kinder“. Seine Analyse des Stalinismus wirbelte viel Staub auf. An diesem Nachmittag spricht Leonhard über sein Engagement während des Entstehens der DDR.  

Weiterführende Informationen

Wolfgang Leonhard berichtet in seinem autobiographischen Vortrag zunächst über die Zeit von 1943 bis 1945 in Moskau, vom „Nationalkomitee Freies Deutschland“, dessen Teil er war, wie sich daraus die „Gruppe Ulbricht“ formierte und mit welchen Direktiven sie von der KPdSU ausgestattet wurde, um den Sozialismus stalinistischer Prägung in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands aufzubauen. Mit dem Wissen der inneren Zirkel der neu gegründeten KPD fasst er anschließend den Aufbau der politischen Landschaft der späteren DDR ab 1945 zusammen und gibt kritische wie lebensnahe Einblicke in die Gründung der SED und deren schleichende Stalinisierung, die schließlich zu seinem Bruch mit der Partei und seiner Flucht nach Jugoslawien führte. Im Gespräch geht er noch einmal genauer auf die Hoffnungen, die er mit dem Aufbau des Sozialismus verband, und die herben Enttäuschungen der autoritären sozialistischen Staaten ein. 

Die Sammlung des Goethe-Instituts Amsterdam umfasst 217 Tonkassetten mit Autorenlesungen, Vorträgen, Konferenzen und Performances. Sie wurde dem Deutschen Literaturarchiv Marbach vom Goethe-Institut in Amsterdam gestiftet. Die früheste Aufnahme stammt aus dem Jahr 1989, die späteste aus dem Jahr 2006.

[Die Lesung im Marbacher Online-Katalog findet sich hier.]

Personen auf dem Podium