Marcel Beyer leest uit „Flughunde“ en „Falsches Futter“

08. Oktober 1997
Deutsches Literaturarchiv Marbach

Veranstaltungsort


Goethe-Institut Amsterdam

Lesung: Marcel Beyer
Sammlung „Goethe-Institut Amsterdam“: Tonkassette 203

Programmtext

Marcel Beyer, 1956 in Köln geboren, wohnt in Dresden. Sein Debüt „Das Menschenfleisch“, ein „Meisterwerk“ (Süddeutsche Zeitung), erschien 1991. Für sein Werk „Flughunde“ erhielt er den Ernst-Willner-Preis. Der Autor macht seine Leser in diesem Roman zu Zeugen: Mit den Stimmen zweier Erzählfiguren, die vollkommen unterschiedlich wahrnehmen, konfrontiert Marcel Beyer den Leser auf historische, dokumentarische, fantasievolle und fiktive Weise mit dem Nationalsozialismus. „Flughunde“ erscheint im Oktober in der niederländischen Übersetzung von Will Hansen beim Meulenhoff Verlag. Außerdem erscheint in diesem Jahr die neue Gedichtsammlung „Falsches Futter“. 

Weiterführende Informationen

[Die Lesung ist zweisprachig, Deutsch und Niederländisch]

Abwechselnd lesen Marcel Beyer und sein Übersetzer Wil Hansen aus dem Roman Flughunde, der 1997 in den Niederlanden unter dem Titel „Vliegende Honden“ erschien. Durch Erläuterung von Marcel Beyer gelegentlich unterbrochen werden hauptsächlich diejenigen Stellen gelesenen, in denen die Stimmbesessenheit Hermann Karnaus, eines Akustikers im Dritten Reich, zum Ausdruck kommt – von seiner ersten Begegnung mit den Kindern von Goebbels, deren älteste, Helga, die zweite Erzählstimme des Romans darstellt, über Reflexionen über die Entstehung und Vernarbung der Stimme während der menschlichen Entwicklung bis hin zu den Menschenversuchen, die Karnau zusammen mit dem SS-Arzt Stumpfecker unternimmt. Im Gespräch betont Marcel Beyer, dass er während des Schreibens die Gewissheit besaß, auf eine äußere moralische Instanz verzichten zu müssen –  auch, um eine Wahrnehmungsschärfe zu gewinnen, die sich im Licht eines abstrakten, moralischen Pathos verlöre.

Die Sammlung des Goethe-Instituts Amsterdam umfasst 217 Tonkassetten mit Autorenlesungen, Vorträgen, Konferenzen und Performances. Sie wurde dem Deutschen Literaturarchiv Marbach vom Goethe-Institut in Amsterdam gestiftet. Die früheste Aufnahme stammt aus dem Jahr 1989, die späteste aus dem Jahr 2006.

[Die Lesung im Marbacher Online-Katalog findet sich hier.]

Personen auf dem Podium