Veranstaltungen

Zwiesprache: Max Czollek über Hirsch Glik
06. Juli 2020
Stiftung Lyrik Kabinett

6. Juli 2020: Max Czolleks Rede als Audio-Release des Lyrik Kabinetts auf dichterlesen.net, zeitgleich auf IKG Live! des Kulturzentrums der Israelitischen Kultusgemeinde München & Oberbayern.

„Warum heute Hirsch Glik (1922-1944) lesen? In Wilna geboren, kämpfte er gegen die Nationalsozialisten und verfasste eines der bekanntesten Partisanenlieder des Zweiten Weltkrieges. Mit Glik erschließt sich ein weitgehend verschüttetes Archiv wehrhafter Poesie – das uns auch wichtige Anstöße für Fragen und Probleme unserer gesellschaftlichen und literarischen Gegenwart liefern kann.“ So Max Czollek über den im deutschen Sprachraum nahezu unbekannten, auf Jiddisch schreibenden Autor Glik, mit dem er Zwiesprache halten will. Czollek, 1987 in Berlin geboren und promoviert am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin, war Initiator und Kurator des internationalen Lyrikprojekts „Babelsprech“ zur Vernetzung einer jungen deutschsprachigen Lyrikszene (2013-15; 2016-18 fortgesetzt als „Babelsprech.International“). Er ist Mitherausgeber der Zeitschrift Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart. Mit Sasha Marianna Salzmann intiierte und kuratierte er 2016 den „Desintegrationskongress“ zu zeitgenössischen jüdischen Positionen und 2017 die „Radikalen Jüdischen Kulturtage“ am Maxim Gorki Theater. Seine bislang drei Gedichtbände Druckkammern, Jubeljahre und Grenzwerte erschienen im Verlagshaus Berlin und bei Hanser die Streitschrift Desintegriert euch! (2018). Seine Zwiesprache mit Glik wird im Herbst 2020 im Verlag das Wunderhorn publiziert.

Vorbestellung der im Herbst erscheinenden Publikation beim Lyrik Kabinett, Wunderhorn oder im Buchhandel.

Besprochene Bücher: »Zog nit keyn mol, az du geyst dem letstn veg.« Zu einem Archiv wehrhafter Poesie bei Hirsch Glik

in einem Schweif unvernebelter Wörter – Elizabeth Bishop (1911-1979): Gedichte
18. Februar 2020
Stiftung Lyrik Kabinett

Kein Geringerer als John Ashbery nannte sie „a poet’s poet’s poet“. Trotzdem hat Elizabeth Bishop (geb. 1911 in Worcester, gest. 1979 in Boston) hierzulande bis heute nicht annähernd jene Beliebtheit erreicht, die sie im englischsprachigen Raum genießt. Ihr schmales Werk wurde u.a. 1956 mit dem Pulitzer-Preis ausgzeichnet. Nun hat Steffen Popp die bislang umfänglichste deutsche Übertragung ihres Werks vorgelegt. Er schreibt dazu: „Die Gedichte von Elizabeth Bishop zu lesen ist ein großes Abenteuer, mit exotischen Schauplätzen, längst untergegangenen Welten Magie, einer Legion von Farbeindrücken, Himmel- und Meerfahrten, umwerfenden Details, Perspektiven und Panoramen. Unter ihren Szenerien liegen Kristalle, Albträume und Visionen; das ganze Instrumentarium der Moderne mit seinen unmöglichen Blicken, Spiegeln und Uhren hält diese Abenteuer in Gang.“ Popp, geboren 1978 in Greifswald, wurde für seine Gedichte vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Peter-Huchel-Preis 2014. Zuletzt erschien von ihm die ‚Zwiesprache‘ mit César Vallejo Panzere diesen Äquator, Mond (Wunderhorn 2016) und 118 (kookbooks 2017). Donna Stonecipher, die den Band lektorierte, wuchs in Seattle und Teheran auf. Seit 2002 veröffentlichte sie einen Essay- und fünf Gedichtbände. Sie selbst übersetzt aus dem Französischen und Deutschen.

[aus der Veranstaltungsankündigung des Lyrik Kabinetts]

Besprochene Bücher: Gedichte: Zweisprachige Ausgabe

Lyrik aus China: Xiao Xiao und Wolfgang Kubin
21. November 2019
Stiftung Lyrik Kabinett

Eine Kooperation des Lyrik Kabinetts mit dem Literaturfest München.

China: ein Land, in dem sowohl alles unmöglich, als auch Ungeahntes möglich ist und vieles ganz anders, als es sich der Westen vorstellt. Die innere Vielfalt Chinas spiegelt die Anthologie Der himmlische Platz vom irdischen Frieden: Neue politische Gedichte aus China (2012), herausgegeben von Wolfgang Kubin(geboren 1945 in Celle). Er lehrte 1985 bis zu seiner Emeritierung in Bonn; er schreibt – vornehmlich auf Deutsch – Gedichte und auf Chinesisch Essays. Heute lebt und lehrt er als Senior Professor für chinesische und deutsche Geistesgeschichte in Shantou, VR China. Zusammen mit der Lyrikerin, Malerin und Pubizistin Xiao Xiao (geboren 1964 in Sichuan) zeichnet er nun ein poetisches Bild Chinas. Xiao Xiao, eine der wichtigsten weiblichen Stimmen im chinesischen Sprachraum, gibt Einblicke in ihr literarisches Schaffen und den Hintergrund staatlicher Bedingungen: „Eigentlich aber finden die wahren Kämpfe / zwischen dir und den Deinen statt“, so heißt es in einem ihrer Gedichte. Durch den Abend führt der Dichter, Essayist und Herausgeber Joachim Sartorius, dessen Münchner Rede zur Poesie mit dem Titel Der Mensch fürchtet die Zeit. Die Zeit fürchtet das Gedicht 2017 im Lyrik Kabinett erschienen ist. 

Cherubinischer Staub: Christian Lehnert liest aus seinen Gedichten
05. Juni 2019
Stiftung Lyrik Kabinett

Eine Kooperation des Lyrik Kabinetts und des Theologischen Studienseminars der VELKD.

„Der Reichtum dieses Bandes spricht für sich. Lebensweisheit trifft auf Leichtigkeit und Klarheit“, so Björn Hayer über Christian Lehnerts Gedichtband Cherubinischer Staub. Schon dessen Titel paart Metaphysisches mit Irdischem (und bezieht sich u.a. auf Angelus Silesius). Die Verbindung von Spiritualität und Natürlichkeit zieht sich durch Lehnerts gesamtes Werk, auch durch diesen Band: von einem „Wörterbuch der natürlichen Erscheinungen“ über biblische Themen bis hin zu „Baumgesprächen“. Das Ich reflektiert sich behutsam in seinen Wechselwirkungen mit der Natur und eröffnet dabei Räume jenseits der sichtbaren Welt, in denen nicht zuletzt der Glanz ihres Schöpfers erfahren wird. Christian Lehnert, geboren 1969 in Dresden, studierte Religionswissenschaft, Evangelische Theologie sowie Orientalistik und leitet aktuell das Liturgiewissenschaftliche Institut der Universität Leipzig. Für seine Gedichte wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. 2012 mit dem Hölty-Preis und 2016 dem Eichendorff-Literaturpreis, außerdem stammen von ihm mehrere Libretti (u.a. für Hans-Werner Henze). Heinrich Detering, Lyriker, Essayist und Germanist, lehrt Neuere deutsche Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Göttingen.

[aus der Veranstaltungsankündigung des Lyrik Kabinetts]

Besprochene Bücher: Cherubinischer Staub: Gedichte

Und das bestirnte Firmament, im Kopf der pure Wahn – Neue chinesische Lyrik im virtuellen Raum: „Klassizismus 2.0“
30. April 2019
Stiftung Lyrik Kabinett

Im chinesischen Internet ist seit den frühen 2000er Jahren – an den Rändern des Mainstreams einer zentralistisch gelenkten Konsumgesellschaft – ein unerwartetes Phänomen zu beobachten: „neue Lyrik im Stil früherer Zeiten“. Die Dichter des „Klassizismus 2.0“ veröffentlichen auf diversen Internetplattformen, teils anonym oder unter Pseudonymen; ihre Auftritte ziehen oft lange Schweife von Kommentaren nach sich, die mitunter abrupt ‚verlöschen‘ (gelöscht werden). Die intellektuelle Schärfe und das lyrische Feingespür der Texte stehen dabei oft im Gegensatz zu ihrer ephemeren Erscheinungsweise, die aber durchaus im Sinne der Autoren sein mag. Vorgestellt werden zum einen Gedichte des derzeit herausragendsten Lyrikers der Internet-Szene, der unter dem Pseudonym Lizilizilizi 李子梨子栗子(geb. 1964) seit den späten 1990er Jahren aktiv ist. Die deutschen Erstübersetzungen von Frank Kraushaar und Huiru Liu streben bewusst jenen ‚schrägen‘ Ton an, der sich aus der Diskrepanz zwischen klassischen Stilelementen und der Offenheit des Autors für sowohl ästhetisch als auch politisch unorthodoxe Sprechweisen und Themen ergibt. Seinem facettenreichen und provokanten Individualstil werden einige Texte Jiang Yings 江嬰 (geb. 1927) gegenübergestellt, an denen sich die Tradition des lyrischen Klassizismus ablesen lässt.

[aus der Veranstaltungsankündigung des Lyrik Kabinetts]

Über dem Himmel unter der Erde: Der slowenische Autor Aleš Šteger präsentiert seinen neuen Gedichtband
25. März 2019
Stiftung Lyrik Kabinett

Eine Kooperation des Lyrik Kabinetts mit dem Münchner Stiftungsfrühling.

„Jedes seiner Bücher ist ein Ereignis für sich.“ So Durs Grünbein 2016 in seiner Laudatio zur Verleihung des Horst-Bienek-Preises an Aleš Šteger. Šteger, geboren 1973 in Ptuj (damals Jugoslawien), ist einer der bekanntesten Autoren Sloweniens und international gefeiert. Er hat sechs Gedichtbände veröffentlicht, arbeitet als Lektor bei einem Verlag in Ljubljana, zudem immer wieder als Festivalkurator und übersetzt aus dem Spanischen und dem Deutschen (Neruda, Vallejo, Bachmann, Benn, Huchel etc.). Seit 2014 ist er Mitglied der Akademie der Künste Berlin. Von ihm liegen bereits neun Bände in deutschen Verlagen vor, die meisten davon übersetzt von Matthias Göritz. Göritz, 1969 geboren, schreibt selbst Gedichte und Romane; seine drei anagrammatisch und thematisch verstrebten Gedichtbände Loops (2001), Pools (2006) und Tools (2011) hat er bereits im Lyrik Kabinett vorgestellt. Štegers neuer Band fasziniert durch Witz und Formbewusstsein, Farbigkeit und Präzision. Gemeinsam mit seinem Freund Matthias Göritz lässt er erleben, wie klug Lyrik sein kann, wie klar und zugleich geheimnisvoll.

[aus der Veranstaltungsankündigung des Lyrik Kabinetts]

Besprochene Bücher: Über dem Himmel unter der Erde