Annett Gröschner leest uit „Moskauer Eis“

18. September 2002
Deutsches Literaturarchiv Marbach

Veranstaltungsort


Goethe-Institut Amsterdam

Lesung: Annett Gröschner
Moderation: Ewout van der Knaap
Sammlung „Goethe-Institut Amsterdam“: Tonkassette 41 

Programmtext

Im ersten Roman der im Jahre 1964 geborenen Autorin und Journalistin geht es eisig zu. Die Protagonistin Anja Kobe findet ihren vermissten Vater, eingefroren in einer Tiefkühltruhe. Diese ist an keiner Steckdose angeschlossen. Handelt es sich hierbei um das letzte Experiment ihres Vaters, eines Tiefkühltruhen-Untersuchers? Annett Gröschner hat ihre biografischen Erfahrungen als Mitglied einer manisch-depressiven Untersucherfamilie zu Metaphern für ihr Leben in Deutschland vor und nach 1989 komprimiert. „Selten ist mit so viel analytischer Genauigkeit und zugleich abgründigem Humor vom Scheitern der Idee einer besseren Welt erzählt, ist so unsentimental Abschied von der großen Utopie des letzten Jahrhunderts genommen worden.“ (Peter Böthig, Frankfurter Rundschau).

In Zusammenarbeit mit der Stichting Cultuur & Kommunikation.

[Übersetzung aus dem Niederländischen]

Weiterführende Informationen

Annett Gröschner beginnt ihre Lesung mit dem Prolog des Romans: Anja Kobe, Eisverkäuferin, wird 1991 in ihre Heimatstadt zurückgerufen, weil ihre Großmutter im Sterben liegt. Ihr Vater ist verschwunden. Sie beginnt, ihn zu suchen und erinnert sich dabei an ihre eigene Kindheit in der DDR und die Geschichte ihrer Familie, die väterlicherseits eine Familie von Kühltechnikern ist. In den folgenden Kapiteln, denen als Motto und Überschrift Lemmata aus dem „Lexikon der Kältetechnik“ vorangestellt sind, liest Annett Gröschner einen Querschnitt der Romanerzählung, die die Epoche des Kalten Kriegs wörtlich nimmt. Sie endet mit dem 35. Kapitel „Speiseeis“, das die ersten Schritte der Protagonistin als Eisverkäuferin beschreibt. Das anschließende Gespräch dreht sich u. a. um Annett Gröschners eigenen familiären Hintergrund und bestimmte autobiographische Verbindungen mit der Erzählung. Abschließend liest Annett Gröschner noch eine Passage aus ihrem Band „Hier beginnt die Zukunft, hier steigen wir aus“.

Die Sammlung des Goethe-Instituts Amsterdam umfasst 217 Tonkassetten mit Autorenlesungen, Vorträgen, Konferenzen und Performances. Sie wurde dem Deutschen Literaturarchiv Marbach vom Goethe-Institut in Amsterdam gestiftet. Die früheste Aufnahme stammt aus dem Jahr 1989, die späteste aus dem Jahr 2006.

[Die Lesung im Marbacher Online-Katalog findet sich hier.]

Personen auf dem Podium