Berliner Literarische Begegnungen (I)

23. März 1987
Literarisches Colloquium Berlin

Mit Vorträgen von:
Hans Christoph Buch über Ewald Christian von Kleist
Hans Joachim Schädlich über Christlob Mylius
Norbert Miller über Willibald Alexis
Moderation: Claus-Ulrich Bielefeld

Weiterführende Informationen

Den Abend eröffnet ein Vortrag Hans Christoph Buchs über den Dichter Ewald Christian von Kleist (1715-1759). Buch verweist zu Beginn auf die Kleist-Begeisterung noch des 19. Jahrhunderts, die freilich weniger aus literarischem denn aus biographischem Interesse erwuchs: Die tödliche Verwundung Ewald Christian von Kleists in der Schlacht bei Kunersdorf hatte ihm bleibende Berühmtheit verschafft. Auch Hans-Christoph Buchs Vortrag entfaltet vor allem die Biographie dieses "zu Unrecht vergessenen Autors".

Es folgt der Vortrag Hans Joachim Schädlichs über Christlob Mylius (1722-1754). Schädlich lässt den Schriftsteller-Journalisten selbst zu Wort kommen, ihn in einer langen, mäandrierenden Abschweifung von seinem Leben und seinen Ansichten erzählen. Voltaire spielt eine große Rolle und spiegelt dabei schon Schädlichs 2012 veröffentlichte Novelle "Sire, ich eile" vor. Aber auch Kommentare Mylius' zum wissenschaftlichen Diskurs und dem Akademiegebaren seiner Zeit werden hier verarbeitet.

In seinem Vortrag "Pathologie der Vergangenheit" widmet sich Norbert Miller dem Romancier Willibald Alexis (1798-1871). Miller führt aus, wie schwer es Alexis' Werke heute im Vergleich zu ihrer begeisterten Rezeption im "bürgerlichen 19. Jahrhundert" haben. In seinem Vortrag versucht er zu zeigen, warum die Romane - allen voran der geschichtspessimistische "Isegrimm" und der historische Kriminalroman "Ruhe ist die erste Bürgerpflicht" - noch immer eindrückliche Lektüren sind.

Personen auf dem Podium