Fassbinders Deutschland Heute

24. Mai 1998
Deutsches Literaturarchiv Marbach

Veranstaltungsort


Goethe-Institut Amsterdam

Vortrag: Thomas Elsaesser u. Ulrich Kriest
Sammlung „Goethe-Institut Amsterdam“: Tonkassette 72

Programmtext

Im Zuge des Fassbinder-Projekts lädt das Goethe-Institut zwei Fassbinder-Kenner ein, die zusammen über die Aktualität Fassbinders diskutieren. In seiner Arbeit für Film, Fernsehen, Theater und auch in seinen Texten skizziert Fassbinder ein komplexes und nuanciertes Bild von Deutschland, das gleichzeitig eine Periode der deutschen Geschichte darstellt und Standpunkte in Bezug auf die damalige Bundesrepublik präsentiert. Nach seinem Tod im Jahre 1982 wird Rainer Werner Fassbinder als Künstler angesehen, dessen Werk jedoch keinen Nachfolger fand. Ist Rainer Werner Fassbinder also nur für Kulturhistoriker interessant oder könnten seine Arbeiten ihn als öffentliche Person wieder relevant werden lassen?

[Übersetzung aus dem Niederländischen]

Weiterführende Informationen

In seinem kurzen Vortrag zu Rainer Werner Fassbinder betont Thomas Elsaesser die Ungleichzeitigkeit in dessen Werk, wobei er ihn dennoch als Chronist der deutschen Gesellschaft begreift, sei dies psychologisch, sozial oder medial, und dies als ein romanhaftes, eigentlich dem 19. Jahrundert zugehöriges, künstlerisches Anliegen beschreibt. Ulrich Kriest reagiert auf diesen Vortrag mit einigen Punkten zum Nachwirken des Fassbinder'schen Kinos und des Neuen Deutschen Films, wobei er sich besonders Christoph Schlingensiefs „Die 120 Tage von Bottrop“ widmet. Beiden Vortragenden ist gemein, dass sie Fassbinder als politischen Filmemacher ansehen. Das abschließende Gespräch geht dann u. a. auf die Gender-Politik bei Fassbinder ein, das Verhältnis von deutschem Kino und Hollywood und schließlich auf die subversive Rolle, die Fassbinder in der Öffentlichkeit spielte.

Die Sammlung des Goethe-Instituts Amsterdam umfasst 217 Tonkassetten mit Autorenlesungen, Vorträgen, Konferenzen und Performances. Sie wurde dem Deutschen Literaturarchiv Marbach vom Goethe-Institut in Amsterdam gestiftet. Die früheste Aufnahme stammt aus dem Jahr 1989, die späteste aus dem Jahr 2006.

[Die Lesung im Marbacher Online-Katalog findet sich hier.]

Personen auf dem Podium