Im Herz des Habichts: Lesung mit Henning Ziebritzki

21. Januar 2020
Stiftung Lyrik Kabinett

Die geduldige Vogelbeobachtung gehörte von jeher zur Grundausstattung für gute Dichter. Bereits in der Antike erkannten die Poeten im Vogelflug ein Zeichen für die brüchig gewordene Seinsordnung. Aber auch die Dichter unserer Tage identifizieren sich mit den Luftgeschöpfen und bezeichnen sich z. B. als „vogelsteller“ (Thomas Kling). Wenn nun der 1961 geborene Dichter Henning Ziebritzki in seinem dritten Gedichtband ein Vogelwerk vorlegt, darf man keine beschauliche Ornithologie erwarten. Sondern im Gegenteil viele Momente der Verstörung und Beunruhigung. Ziebritzkis Vogelwerk führt uns in gefährdete Zonen und Territorien der Gewalt. Der Literaturkritiker und Alfred Kerr-Preisträger Michael Braun führt das Gespräch mit dem Dichter, der uns zu einer Reise einlädt zu den Geheimnissen unserer Existenz. Und ins Herz des Habichts: „Plötzlich fällt er lautlos aus der Blätterwand / und wölbt, zwischen zwei Verstecken gleitend, über dir / das Wunderwerk von Schrift auf seiner Brust, / unfaßbar wie ein Evangelium.“


[aus der Veranstaltungsankündigung des Lyrik Kabinetts]