Leven in twee talen: Duits schrijvende auteurs uit Israël 1

06. Mai 1996
Deutsches Literaturarchiv Marbach

Veranstaltungsort


Goethe-Institut Amsterdam

Lesung: Elazar Benyoëtz, Jakob Hessing und Manfred Winkler
Moderation: Alexander von Bormann
Sammlung „Goethe-Institut Amsterdam“: Tonkassette 186

Programmtext

Elazar Benyoëtz ist im Jahre 1937 in Wien geboren und vor der Annektierung Österreichs durch die Nazis mit seiner Familie emigriert. Er wohnt in Jerusalem und schreibt Gedichte auf Hebräisch. Seit 1969 ist er auch wieder als Autor deutschsprachiger Dichtung tätig: Aphorismen, Lyrik und kurze Texte zählen zu seinem Werk. Sein deutsches Werk ist zwischen 1992 und 1995 in sieben Teilen beim Verlag Herrlinger Drucke erschienen. Im Hanser Verlag erschienen zwischen 1977 und 1994 fünf Titel und im Steidl Verlag wurde 1991 „Filigranit. Ein Buch aus Büchern“ publiziert. Jakob Hessing wurde 1944 in der Nähe von Lyssovce geboren und wohnte nach dem Krieg mit seinen Eltern in Berlin. 1964 emigrierte er nach Israel. Heute ist er als Dozent für deutsche Sprach- und Literaturwissenschaften an der Hebräischen Universität in Jerusalem tätig. Er hat unter anderem über Sigmund Freud geschrieben und ist Herausgeber des Jüdischen Almanachs. 1990 wurde sein sehr persönlicher Roman „Der Zensor ist tot“ veröffentlicht.

Weiterführende Informationen

Entgegen des Programmtextes liest auf dieser Aufnahme auch der israelische Lyriker Manfred Winkler. Die Aufnahme ist die erste einer über drei Tage gestreckte Veranstaltungsreihe mit auf Deutsch schreibenden Autoren aus Isarel, die von Alexander von Bormann konzipiert wurde. Am folgenden Tag kamen zu den israelischen Autoren noch Carl Friedmann und Ulla Berkéwicz hinzu. An dem hier dokumentierten Abend macht Elazar Benyoëtz den Anfang mit essyistisch-aphoristischen Texten, die, ortsbezogen, zunächst um Menasseh ben Israel und Rembrandt kreisen, sich dann aber religiösen und erotischen Gedanken und Bildern zu wenden. Im Gespräch mit Alexander von Bormann betont Benyoëtz, dass man als deutsch schreibender Jude heute nicht mehr für Juden schreiben könne. Anschließend liest Manfred Winkler einige auf Deutsch verfasste Gedichte und ein von ihm selbst ins Deutsche übersetztes Gedicht. Alexander von Bormann und Manfred Winkler diskutieren daraufhin die Gewinne und Verluste, die sich beim Übergang von einer in eine andere Sprache ergeben. Abschließend liest Jakob Hessing seine Erzählung „Zum 80. Geburtstag“, die 2005 in seinen Roman „Mir soll's geschehen“ eingegangen ist. Das Gespräch geht danach noch einmal auf die Frage ein, ob man im Deutschen noch jüdisch assoziieren könne – ausgelöst von Jakob Hessing Einspruch, dass Sprache immer für die da sei, die sie sprächen, egal welchen kulturellen oder nationalen Hintergrund man hätte.  

[Die Aufnahme bricht im Publikumsgespräch ab.]

Die Sammlung des Goethe-Instituts Amsterdam umfasst 217 Tonkassetten mit Autorenlesungen, Vorträgen, Konferenzen und Performances. Sie wurde dem Deutschen Literaturarchiv Marbach vom Goethe-Institut in Amsterdam gestiftet. Die früheste Aufnahme stammt aus dem Jahr 1989, die späteste aus dem Jahr 2006.

[Die Lesung im Marbacher Online-Katalog findet sich hier.]

Personen auf dem Podium