Nach Akedia: Erik Lindner liest aus seinen Gedichten (deutsch / niederländisch)

07. November 2013
Stiftung Lyrik Kabinett

[Aus der Veranstaltungsankündigung des Lyrik Kabinetts:]


Die Gedichte von Erik Lindner, geb. 1968 in Den Haag, befremden und bestricken durch die rigorose und souveräne Zurückhaltung ihres Sprechers. Mit gleichsam filmischer Präzision registriert er urbane Landschaften und alltägliche Ereignisse und bannt deren beunruhigende Eigendynamik (die vom Erbe des Surrealismus zehrt) in kristalline lakonische Sprach-Klarheit. Lindner veröffentlichte bislang vier Gedichtbände, verantwortete als Herausgeber niederländische Literaturzeitschriften und 2003 eine Anthologie, die 33 niederländische Dichter in französischen Übersetzungen vorstellt; Lindner selbst übertrug Gedichte des auf Surinam geborenen niederländischen Lyrikers Hans Faverey ins Französische. Aus einem DAAD- Stipendium 2012 wuchs der erste Band von Lindners Gedichten in deutscher Sprache hervor (in der Übersetzung von Rosemarie Still, Matthes & Seitz 2013). Die Herausgeberin des Bandes Katharina Narbutovic ist Publizistin, Übersetzerin aus dem Russischen und Weißrussischen sowie seit 2008 Leiterin des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.


Vernunft

Bezweifle nicht dass Vernunft
dass Vernunft, Vernunft, Vernunft.
Eine Fliege wandert vom Rand
zur Mitte des Tisches
und wieder zurück, folgt ein paar Zentimetern
der Kante, tritt wieder in die Leere
des Fahlweißen ein, versucht erneut
was ich nicht weiß und fliegt davon.


Erik Lindner,
aus: Nach Akedia. Aus dem Niederländischen von Rosemarie Still. Mit einem Nachwort von Ulf Stolterfoht. In der Reihe „Spurensicherung“ des DAAD (Matthes & Seitz 2013), S. 167.