„Ostgezeter“ und Gedichte

13. Juli 1999
Deutsches Literaturarchiv Marbach

Lesung: Thomas Rosenlöcher

Programmtext

Nach einer Ausbildung als Handelskaufmann studierte Thomas Rosenlöcher (geb. 1947) am Johannes-R.-Becher-Institut in Leipzig Literatur. Bekannt wurde er vor allem durch sein Buch 'Die verkauften Pflastersteine', ein Tagebuch über die "Wende" und ihre Folgen. In 'Ostgezeter' plädiert und polemisiert er mit viel Sprachwitz gegen einen ostdeutschen Identitätsverlust, aber auch gegen eine westliche Ignoranz, die sich beispielsweise in Szenen wie dieser manifestiert: "'Sind Sie das erste Mal in Deutschland?' fragte mich im Schwäbischen eine Bibliothekarin mit ausgesuchter Höflichkeit." Kann man es ihm da übelnehmen, daß seine Ironie zuweilen in Sarkasmus umschlägt?

Weiterführende Informationen

Thomas Rosenlöcher beginnt seine humorvolle Lesung, die die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen thematisiert, mit dem Aufsatz "Sächsisch als Verlierersprache" aus den 90er Jahren. Er rezitiert drei Gedichte aus der Zeit vor 1989 ("Der Nachwuchsengel", "Der Engel mit der Eisenbahnermütze", "Der Kicherengel"), danach folgen dezidierte DDR-Gedichte (ein Gedicht in sächsischer Mundart: "Da ich den Mittag verschlief", "Die Dresdner Kunstausübung", "Spät", "Schneebiergedicht") und schließlich einige Gedichte aus der Zeit nach 1989 ("Die Neonikone", "Ostbarbar", "Sauerland", "Heidelberg", "Die Kirschbaumepistel", "Brockes", "Die Frankreichfahrt"). Der Autor liest Passagen aus seinen Büchern "Ostgezeter" (1997) und "Die Wiederentdeckung des Gehens beim Wandern. Harzreise" (1991) und trägt zudem die Gedichte "Das Alphabet des Wünschenswerten" (eine Strafarbeit des Schülers Rosenlöcher) und "Benedikt verbrennt die Engel" vor.

Personen auf dem Podium