Studio LCB mit Brigitte Kronauer

04. Juli 2000
Literarisches Colloquium Berlin

Lesung: Brigitte Kronauer
Gesprächspartner: Sibylle Cramer und Hermann Wallmann
Moderation: Liane Dirks

Programmtext

Mit ihren erzählenden und essayistischen Werken gilt sie als eine der wichtigsten deutschen Gegenwartsautorinnen: Brigitte Kronauer. Bereits an ihrem Debütroman "Frau Mühlenbeck im Gehäus" (1980) lobte die Kritik ihre sprachliche Kunstfertigkeit, die Stilsicherheit und vor allem die Originalität der Beobachtungen. Seitdem gilt Brigitte Kronauer als "Wahrnehmungsartistin", die dem Alltäglichen mit Benennungslust zu Leibe rückt, Leben und Welt in eine Totale zu raffen versucht, aber auch humorvolle Stimmungsbilder zu zeichnen vermag.
Kronauer, 1940 in Essen geboren, legte nach ihrem Debüt mit "Rita Münster" (1983) und "Berittener Bogenschütze" (1986) eine Romantrilogie zum Thema Emanzipation vor. In der Folge veröffentlichte sie mehrfach Prosaminiaturen, u. a. "Schnurrer" (1992) und "Die Wiese" (1993), daneben zahlreiche essayistische Arbeiten, zuletzt "Kultur der Mißverständnisse. Studien zum Geistesleben." Vor nunmehr sechs Jahren erschien Brigitte Kronauers letzter Roman "Das Taschentuch". Ihr neuer Roman "Teufelsbrück" schildert die Geschichte einer erotischen Verzauberung und ihrer Aufhebung durch einen Gewaltakt. Erzählt wird an neun Abenden von Maria, einer Frau, die erst nach und nach die Regie hinter den Ereignissen begreift. Brigitte Kronauer liest aus diesem noch nicht veröffentlichten Roman. Ihre Gesprächspartner sind die Berliner Kritikerin Sibylle Cramer und der Münsteraner Kritiker Hermann Wallmann.

Weiterführende Informationen

War es ein unvermeidlicher Gang der Dinge, so fragt die Moderatorin Liane Dirks eingangs, dass Brigitte Kronauer Schriftstellerin werden würde. Damit ist dann auch das Hauptmotiv angerissen, um welches das Gespräch in der ersten halben Stunde kreist: Der künstlerische Werdegang der Autorin. Kronauer berichtet von den 50er Jahren: Dass es für Autoren kaum Stipendien, kaum Literaturzeitschriften gegeben habe. Dass sie Lehrerin geworden sei, diesen Beruf allerdings gemocht habe. Dann wandelt sich der Charakter des Gespräches: Es stehen die Techniken des Geschichtenerzählens im Mittelpunkt: Wie und was die Mutter in ihrer Kindheit erzählt hat. Wie sehr Kronauer später das Schreiben von Geschichten als "Architektur-ähnlich" begriff. Wie stark der Noveau Roman zu Beginn ihrer schriftstellerischen Tätigkeit sie beeinflusste. Er sei wie ein ABC des Romanschreibens gewesen, fügt Kronauer hinzu. Schließlich geht es um ihr Werk am Beispiel des Romans "Teufelsbrück". Und Liane Dirks leitet die Diskussion mit einem Satz von Elfriede Jelinek ein, dass Frauen kein Werkbewusstsein hätten. Diese Behauptung widerlegt Brigitte Kronauer.

Personen auf dem Podium