Studio LCB mit Judith Hermann

21. April 2009
Literarisches Colloquium Berlin

Lesung: Judith Hermann
Gesprächspartner: Kolja Mensing und Hans Ulrich Probst
Moderation: Maike Albath

Programmtext

Mit ihrem Debüt "Sommerhaus, später" wurde sie zur Stimme ihrer Generation: Judith Hermann. Der 1998 erschienene Erzählungsband brachte das Lebensgefühl der Nachwendezeit auf den Punkt - Hermanns präzise Beiläufigkeit und ihre Lakonie schienen eine neue Weite und eine diffuse Ortlosigkeit zu spiegeln. Dass ein deutschsprachiges Debüt so großen Erfolg hatte, war neu: eine halbe Million Mal verkaufte sich "Sommerhaus, später", wurde in siebzehn Sprachen übersetzt und rief unzählige Nachahmerinnen auf den Plan. 2003 erschien der zweite Erzählungsband der 1970 in Berlin geborenen Schriftstellerin. In "Nichts als Gespenster" führte Hermann ihre Ästhetik fort - nur eine Spur urbaner und internationaler. Wieder schaffte sie es, einen Mangel auszudrücken, das leere Zentrum, und von undeutlichen Sehnsüchten zu erzählen. Was bleibt zurück, wenn jemand verschwindet? Um diese Erfahrung kreisen die neuen Geschichten von Judith Hermann, die im Mai unter dem Titel "Alice" bei S. Fischer erscheinen werden. Alice ist der Name der Frau, die in allen fünf Erzählungen im Mittelpunkt steht. Es sind nüchterne Bestandsaufnahmen über Lebenswege und ungeahnte Verschiebungen. Judith Hermann liest im Studio LCB zum ersten Mal aus ihrem neuen Buch und diskutiert mit dem Literaturkritiker Kolja Mensing und dem Schweizer Rundfunkredakteur Hans Ulrich Probst vom DRS über literarische Selbstbehauptung nach einem frühen Erfolg.

 

Weiterführende Informationen

Gibt es die Generation, die in Judith Hermanns Büchern als Figuren auftauchen in der Realität - und wenn ja, was hat sich in den letzten zehn Jahren diesbezüglich verändert? Und wie fühlt sich die 'öffentliche Figur' Judith Hermann als Person und Schriftstellerin im Banne der medialen Beobachtung? Dass die berühmte Berliner Autorin immer wieder derart charakterisiert wird, ist das nicht ein Ergebnis der Literaturkritik, die das Denken in Schubladen liebt, so der Kritiker Kolja Mensing. Vom Berlin-Mythos am Ende der 90er ist in dieser Sendung unter anderem die Rede, von der "Wohlstandskindergeneration", die sich nie viel Gedanken über die Zukunft machte. Souverän kommentiert die Autorin die Deutungen der Kritiker - und bezeichnet einmal jenes Foto, dass zu ihrer Berühmtheit beitrug, gerade wegen der medialen Wirkung als "irre anstrengend". Diskutiert wird auch über die Neo-Bürgerlichkeit am Beispiel des Prenzlauer Berges und die starke Thematisierung des Todes in ihrem neuen Buch.

Personen auf dem Podium