Ulrike Draesner en Uwe Kolbe: twee dichters presenteren hun werk

06. Juni 1996
Deutsches Literaturarchiv Marbach

Veranstaltungsort


Goethe-Institut Amsterdam

Lesung: Ulrike Draesner und Uwe Kolbe
Moderation:  Ton Naaijkens 
Sammlung „Goethe-Institut Amsterdam“: Tonkassette 189

Programmtext

„Meine Nadel ist mein Blick, mein Blei fließt in unregelmäßigen Linien übers Papier. Arhythmisch, versetzt, strecken sie sich, wuchern zu neuen Körpern zusammen.“ Ulrike Draesner, 1962 in München geboren, studierte neben deutscher und englischer Sprach- und Literaturwissenschaft auch Jura und Philosophie in München und Oxford. Neben ihrem eigenen Werk, in dem wir Spuren von u.a. Mayröcker, Hölderlin und Achmatova wiederfinden, übersetzt sie aus dem Englischen. Sie erhielt neben mehreren Stipendien 1995 den „Förderpreis zum Leonce-und Lena-Preis“. Auch erschien 1995 im Suhrkamp Verlag ihr erster Gedichtband „gedächtnisschleifen“.

Uwe Kolber, Dichter und Prosaautor, Übersetzer und Herausgeber, wurde 1957 in Berlin/Prenzlauer Berg geboren. Schon seine ersten publizierten Gedichte erschienen sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland. Kolbe, auch in den Niederlanden kein unbekannter Autor, erhielt schon mehrere Preise. 

Weiterführende Informationen

Uwe Kolbe liest u. a. die Gedichte „Vineta“, „Kleine Empfängnis“, „Daheim 1“, „Zentralviehof“, „Das ist Nosferatus Bier“, „Die unbegreiflichen Sätze“, „Rätselhafter Sommer“, „Über die Methode“. Er schließt seine Lesung wieder mit dem eingangs gelesenen Gedicht „Vineta“ ab. Das anschließende Gespräch zwischen ihm und Ton Naaijkens dreht sich unter anderem um die Selbstdefinition Uwe Kolbes als „Gelegenheitsdichter“ und um das Thema „Deutschland“ in seiner Lyrik.

Auch Ulrike Draesner geht in ihren einleitenden Bemerkungen auf die Frage nach dem Gelegenheitsgedicht ein und betont, dass Gedichte „in extremer Form lebensabhängig“ seien. Darauf erläutert sie den Titel ihres Bandes „gedächtnisschleifen“, der sich unter anderem auf illusionistische Zeichnungen Eschers und auf den alten Ausdruck „eine Burg schleifen“ beziehe. Sie liest u. a. die Gedichte „die umwelt, das kalben“, „pflanzstätte (autopilot IV)“ und „musenpressen“. Im Gespräch mit Ton Naaijkens verteidigt Ulrike Draesner den über die innere Logik des Gedichts konstituierten Sinn, der nicht mehr beliebig wandelbar sei. Auch den Begriff des Subtextes definiert sie nicht im postmodernen Sinn des Zitats, sondern fasst ihn weiter bis hin zu Buchstaben und Rhythmen.

Die Sammlung des Goethe-Instituts Amsterdam umfasst 217 Tonkassetten mit Autorenlesungen, Vorträgen, Konferenzen und Performances. Sie wurde dem Deutschen Literaturarchiv Marbach vom Goethe-Institut in Amsterdam gestiftet. Die früheste Aufnahme stammt aus dem Jahr 1989, die späteste aus dem Jahr 2006.

[Die Lesung im Marbacher Online-Katalog findet sich hier.]

Personen auf dem Podium