Vortrag über Robert Menasse

24. Januar 2002
Deutsches Literaturarchiv Marbach

Veranstaltungsort


Goethe-Institut Amsterdam

Vortrag: Anthonya Visser
Vortrag und Lesung: Paul Beers
Sammlung „Goethe-Institut Amsterdam“: Tonkassetten 141 u. 142

Programmtext

Der Historiker Viktor Abravanel, 1955 in Wien geboren, stammt aus einer Familie, die Opfer der Nationalsozialisten wurde. Auf einem Spinoza-Kongress muss er einen Vortrag über die Lehrer des Philosophen halten. Angespornt durch seine Untersuchung, fragt er während eines Klassentreffens am Abend vor seiner Reise nach Amsterdam: „Wer waren unsere Lehrer?“ Der Lehrer von Baruch Spinoza war der Rabbiner Samuel Menasse ben Israel, der als Kind mit seinen Eltern aufgrund der Inquisition von Portugal nach Amsterdam flüchtete. Die Rekonstruktion der Biografie dieses Rabbiners und von Viktors Erinnerungen an seine Schul- und Studienzeit, die im Herbst 2002 in der niederländischen Übersetzung erscheint, zeigen verblüffende Übereinstimmungen. „Mit Verve, oft mit Witz, erzählt der Autor von Lebensläufen, die man auch tragisch nennen könnte: In einem Roman, der mit großem erzählerischen Talent den verschlungenen Wegen der Geschichte nachspürt und jener geheimnisvollsten ihrer Fragen: Wie Menschen denn überhaupt sinnvoll handeln können, wenn sie doch die Folgen dessen, was sie tun, nicht im mindesten einschätzen können.“ (Frankfurter Neue Presse).

Gesprächsleitung: Anthonya Visser, Universität Leiden.

In Zusammenarbeit mit der Österreichischen Botschaft.

Weiterführende Informationen

[Zweisprachige Aufnahme: Deutsch / Niederländisch]

Robert Menasse konnte krankheitsbedingt an dem hier dokumentierten Abend nicht teilnehmen. Stattdessen führen sein Übersetzer Paul Beers und Anthonya Visser, Professorin an der Universität Leiden, in je eigenen Beiträgen in das Werk des Autors ein, wobei Anthonya Visser einen Überblick über die Biographie und die bis dato erschienenen Romane und Essays Menasses gibt, Paul Beers sich hingegen stärker auf die Probleme der Übersetzungsarbeit konzentriert. Im Verlauf der Veranstaltung werden zudem zwei Videoaufnahmen vorgespielt: zum einen ein kurzer Ausschnitt aus einem Gespräch zwischen Robert Menasse, F. C. Delius und Harry Mulisch von der Frankfurter Buchmesse, zum anderen ein Auszug aus dem Kritikergespräch über Menasses Roman „Die Vertreibung aus der Hölle“ im Rahmen der Sendung „Das literarische Quartett“. Von diesem Roman lesen Anthonya Visser und Paul Beers anschließend abwechselnd die niederländische Übersetzung und den deutschen Originaltext.

Die Sammlung des Goethe-Instituts Amsterdam umfasst 217 Tonkassetten mit Autorenlesungen, Vorträgen, Konferenzen und Performances. Sie wurde dem Deutschen Literaturarchiv Marbach vom Goethe-Institut in Amsterdam gestiftet. Die früheste Aufnahme stammt aus dem Jahr 1989, die späteste aus dem Jahr 2006.

[Die Lesung im Marbacher Online-Katalog findet sich hier.]

Personen auf dem Podium