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Stephan Hermlin

Stephan Hermlin (eigentlich Rudolf Leder), 1915 in Chemnitz geboren, trat 1931 dem Kommunistischen Jugendverband bei. 1936 emigrierte er nach Palästina, später nach Frankreich und kehrte bereits 1945 nach Deutschland zurück, zunächst nach Frankfurt am Main, wo er als Rundfunkredakteur arbeitete. 1947 übersiedelte Stephan Hermlin nach Ost-Berlin in die damalige sowjetische Besatzungszone. Er wurde SED-Mitglied und Mitarbeiter der Zeitschriften „Aufbau“, „Ulenspiegel“ und „Sinn und Form“. Der Lyriker, Prosaautor und Übersetzer wurde rasch einer der einflussreichsten Schriftsteller der DDR. Er war Mitglied der Akademie der Künste der DDR (ab 1950) und der Akademie der Künste West-Berlin (ab 1976) sowie langjähriger Vizepräsident des Internationalen P.E.N.-Clubs. Stephan Hermlin starb 1997 in Berlin.

Jiri Grusa

Jiri Grusa (1938-2011) wurde in Paradubice (Böhmen) gebohren, studierte Philosophie und Geschichte und wurde 1962 in Philosophie promoviert. 1964 gründete er die Zeitschrift "Tvár", 1970 erhielt er Publikationsverbot in der Tschechoslowakei, 1977 unterzeichnete er die "Charta 77", 1980 wurde er ausgebürgert, ab 1989 wurde er Botschafter in Deutschland, 1997 tschechischer Bildungsminister und von 1998 bis 2004 Botschafter in Österreich. Er war zudem Präsident des internationalen P.E.N.-Clubs und Direktor der Diplomatischen Akademie in Wien. Er veröffentlichte Gedichte und Prosa und erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen.

Uroš Prah

Uroš Prah, *1988 in Maribor, veröffentlichte drei Gedichtbände: Čezse polzeči (2012), Tišima (2015 – nominiert für den Veronika Preis sowie den Simon Jenko Preis) und Udor (2019). 2018 erhielt er den Exil-Lyrikpreis für sein auf Deutsch verfasstes investigatives Gedicht Nostra Silva; zuletzt erschien in Literatur und Kritik die Kurzgeschichte Die Fächer. Übersetzungen seiner Bücher, Gedichte und Essays erschienen bisher in fünfzehn Ländern. Er war Mitbegründer und Chefredakteur der Literaturzeitschrift IDIOT, Programmdirektor des internationalen Festivals Literodrom und Mitbegründer des Museums des Wahnsinns, Trate.
Uroš Prah lebt zur Zeit in Wien.

Katharina Döbler

Katharina Döbler ist 1957 in Gunzenhausen/ Mittelfranken geboren. Gunzenhausen, weil dort das nächste Krankenhaus war. Sie wuchs in München auf. In Paris, München und Berlin studierte sie unter anderem Theaterwissenschaften, Pädagogik und Lateinamerikanistik. In Berlin experimentierte sie als Kabarettistin und Punksängerin. Von 1987 bis 1989 arbeitete sie beim neugegründeten links-alternativen Radio 100 als Verantwortliche von Nachtflug, einer einstündigen Wortsendung ohne Budget. Der Sender ging pleite. Als freie Autorin schrieb sie mehrere Hörspiele und zahlreiche Radiofeatures, mit einer Vorliebe für Originaltonexperimente. Ihr Theaterstück Schneeziegenmanöver wurde im Jahr 2000 in Wien uraufgeführt.
Als Journalistin und Literaturkritikerin war sie eine Zeitlang für Die Zeit, FAZ und NZZ tätig, mit besonderem Augenmerk auf weibliche Traditionslinien des Schreibens. Sie arbeitet für die internationale Monatszeitung Le Monde diplomatique, und immer noch für den Rundfunk, unter anderem bei rbbKultur, wo sie regelmäßig Bücher zum Wiederlesen empfiehlt. Ihr erster Roman „Die Stille nach dem Gesang“ erschien 2010 beim Galiani Verlag, der neue Roman „Dein ist das Reich“ im Mai 2021 beim Claassen Verlag.

Logan February

Logan February (*1999 in Anambra, Nigeria) ist Lyriker:in, Essayist:in und LGBTQI+-Aktivist:in. In Februarys Werk verschränken sich westafrikanische Traditionen, postkoloniale Erfahrung und queere Theorien zu einer vielschichtigen, konzeptuell dichten Poesie, die Fragen von Körper, Geist und Identität verhandelt. February veröffentlichte mehrere Chapbooks sowie den Gedichtband In the Nude, der für den Sillerman First Book Prize for African Poets nominiert wurde; 2024 erschien mit Mental Voodoo erstmals eine deutschsprachige Auswahl. Februarys Texte wurden international publiziert und übersetzt, mehrfach ausgezeichnet und führten zu Stipendien und Residenzen, zuletzt als DAAD-Stipendiat:in in Berlin (Stand: April 2024)

Rachel Cusk

Rachel Cusk (*1967 in Saskatoon, Kanada) wuchs überwiegend in Los Angeles auf und lebt seit ihrer Jugend in Großbritannien. Sie studierte Englisch in Oxford, arbeitete zunächst in einer Londoner Literaturagentur und debütierte 1993 mit dem preisgekrönten Roman Saving Agnes. Internationale Bekanntheit erlangte sie mit der Outline-Trilogie, einem formal innovativen, stark autobiografisch geprägten Erzählprojekt über Schreiben, Beziehungen, Mutterschaft und Identität. Neben ihren Romanen veröffentlichte Cusk vielbeachtete Essays und autobiografische Texte, in denen sie Mutterschaft, Scheitern und Selbstwahrnehmung nüchtern und radikal reflektiert. Ihr Werk wurde mehrfach ausgezeichnet und für den Booker Prize nominiert; zuletzt erschien 2024 der Roman Parade, der zentrale Themen ihres Schreibens – Kunst, Moral, Familie und Geschlechterverhältnisse – erneut bündelt.

Mátyás Dunajcsik

Mátyás Dunajcsik ist ein queerer Autor und Performer, der Prosa, Theater und Lyrik auf Ungarisch, Englisch und neuerdings auf Deutsch schreibt. Er ist geboren und aufgewachsen in Budapest, Ungarn, wo er Ästhetik (Kunsttheorie) und französische Literatur studierte und im Verlagswesen arbeitete. Er emigrierte 2014 und verbrachte zunächst zwei Jahre in Reykjavík, wo er mit einem staatlichen Stipendium isländische Sprache und Literatur studierte, bevor er sich in Deutschland niederließ. Sein literarisches Werk wurde mit zahlreichen Preisen in Ungarn und mehreren internationalen Stipendien ausgezeichnet, darunter die Junge Akademie der Akademie der Künste (2009, Berlin). Auf Ungarisch publizierte er zwei Sammlungen von Kurzgeschichten und ein Kinderbuch, das er später selbst für die Bühne adaptierte. Sein erster Roman Víziváros ("Wasserstadt") kam 2021 heraus und eine Sammlung seiner ungarischen Gedichte soll Ende 2024 erscheinen.

Nadiia Telenchuk

Nadiia Telenchuk ist eine in Cherson (Ukraine) geborene Dichterin, die heute in Berlin lebt und arbeitet. Sie ist eine aktive Mitwirkende der modernen Berliner Literaturszene und Mitglied des Nationalen Schriftstellerverbandes der Ukraine (2013). Sie ist in der ukrainischen Diaspora ehrenamtlich tätig und organisiert ukrainische Poesie-Abende „Літ.О!“. Nadiia hat die Ukraine im internationalen Kurzgeschichtenprojekt “The Crisis Inside” (Deutschland, 2014) sowie im Projekt “Les femmes (se) racontent: experiences dans les PECO / Women tell about their experiences in CEEC” (Frankreich – Rumänien, 2017) vertreten; sie war Leiterin der Jury und Kuratorin des Art Labs im Poesie- und Spoken-Word-Projekt “AntiBabylon” (Georgien/Armenien/Moldawien/Ukraine/Deutschland, 2022).

Sie hat vier Gedichtbände veröffentlicht: “Нова інтерпретація дощу” (“Die neue Interpretation des Regens”, 2011), “Щастя в обгортці” (“Eingewickeltes Glück”, 2012), “Ніжна” (“Sanft”, 2014), “Дихай” (“Atme”, 2019).

ko ko thett

Der Lyriker ko ko thett wurde 1972 in Rangun (Yangon), der größten Stadt Myanmars, geboren. 1995, während seines Ingenieurstudiums am Yangon Institute of Technology (YIT), begann seine Karriere als Autor mit der Herausgabe der Samisdat-Gedichtsammlungen »The Rugged Gold« und »The Funeral of the Rugged Gold« auf Burmesisch. Nach einer 137-tägigen Inhaftierung wegen der Beteiligung an den Studentenunruhen im Dezember 1996 verließ er Myanmar im Sommer 1997. Er ging nach Singapur und später nach Bangkok, wo er drei Jahre für die Jesuitische Flüchtlingshilfe arbeitete. . Ende 2015 kehrte thett in seine Heimatstadt Rangun zurück, 2016 nahm er am International Writing Program an der University of Iowa teil.

Ana Luísa Amaral

Ana Luísa Amaral wurde 1956 in Lissabon geboren, wo sie Anglistik studierte und über Emily Dickinson promovierte. In Portugal und im Ausland erschienen zahlreiche wissenschaftliche Studien zur englischen und amerikanischen Lyrik, zur vergleichenden Poetik sowie feministische Studien. Sie ist Co-Autorin eines »Dictionary of Feminist Criticism« und zeichnet verantwortlich für die kommentierte Ausgabe der »New Portuguese Letters« (2010), zudem ist sie die Koordinatorin dieses internationalen Projekts. Außerdem lehrte sie Englische Literatur an der Universität von Porto. Für ihr literarisches Werk wurde sie mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter mit dem wichtigsten Preis Portugals für Lyrik, dem Grande Prémio der Portugiesischen Schriftstellervereinigung (2008), dem Prize Reina Sofia for IberoAmerican Poetry 2021 und dem italienischen Preis Giuseppe Acerbi (2007). Ihre Gedichte erschienen in Übertragung in vielen Ländern Europas, den USA und Lateinamerikas. Die Autorin lebt bei Porto.

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