Studio LCB mit Harry Mulisch

03. Juli 1995
Literarisches Colloquium Berlin

Lesung: Harry Mulisch
Moderation: Hubert Winkels
Gesprächspartner: Andreas Burnier, Dirk Schümer

Weiterführende Informationen

Der berühmte holländische Autor Harry Mulisch liest in dieser Studio-LCB-Sendung einen Text vor, den er 1961 geschrieben hat. "Selbstporträt mit Turban" heißt der autobiographisch geprägte Roman, der hier im Mittelpunkt steht. Die Teilnehmer beschäftigen sich im ersten Teil der Aufnahme mit der Entstehungsgeschichte des Textes (der Eichmann-Prozess spielt dabei eine große Rolle) und gleichzeitig mit dem Phänomen, dass holländische Literatur lange Zeit in Deutschland so gut wie gar nicht wahrgenommen worden sei. Dirk Schümer erweist sich als kundiger Experte niederländischer Moderne und Postmoderne - und referiert, warum es hierzulande dieses Desinteresse (und plötzliches Interesse in den 90er Jahren) an niederländischen Autoren gegeben habe. Nach der Lesung beschäftigt man sich mit den ödipalen Augenblicken in Mulischs Text, ebenfalls wieder mit der Entstehungszeit und mit der Frage, wie viel Eitelkeit in Mulisch steckt. Im Ausschnitt seines Romans, den Mulisch vorträgt, geht es hauptsächlich um die Unfassbarkeit des Sterbens, verdeutlicht am Beispiel des Vaters, das minutiös (und packend) beschrieben ist.

Programmtext

Harry Mulischs Roman "Selbstportrait mit Turban" ist ein Frühwerk aus dem Jahr 1961, das nun erstmals in deutscher Übersetzung bei Hanser erscheint. Anhand von Momentaufnahmen aus seiner Kindheit und Jugend schildert Mulisch seine Entwicklung bis zu dem Tag, an dem er sich entscheidet, Schriftsteller zu werden. Mulischs Gesprächspartner sind die Amsterdamer Autorin Andreas Burnier ("Knabenzeit" Twenne Verlag 1993) und der F.A.Z. - Redakteur Dirk Schümer.

Personen auf dem Podium