Studio LCB mit Ulrich Peltzer

19. August 2015
Literarisches Colloquium Berlin

Lesung: Ulrich Peltzer
Gesprächspartner: Ursula März und Kathrin Röggla
Moderation: Hubert Winkels

Programmtext

„Angefangen wird Mittendrin“ so überschrieb Ulrich Peltzer seine Frankfurter Poetikvorlesung, die er 2011 gehalten hat. Wenn er das obige Zitat auch als eines aus der Werkstatt meinte, ist das Mittendrin aber auch ein wesentliches Merkmal seines Schreibens. Wer bestimmt in einer Gesellschaft, wo die Mitte ist, wer bestimmt den Diskurs und wie ist das eigentlich mit der Beteiligung des Einzelnen in einer Gesellschaft? Das sind die Fragen, die den Autor Ulrich Peltzer seit seinen ersten Büchern, deren stiller Held auch immer das alte West-Berlin war, sein ganzes Leben als Autor beschäftigt haben. Immer wieder spielen die sechziger und vor allem die siebziger Jahre in seine Bücher hinein. Sein neuer Roman „Das bessere Leben“ nimmt viele der alten Fragen wieder auf, er geht einerseits zurück in die USA zu Zeiten des Vietnamkrieges, andererseits beschreibt er in seinem Roman, wie aus den ehemaligen Revolutionären Manager geworden sind. Manager, die ihre Geschäfte zwischen Mailand, Südamerika und Asien machen. Männer, die am Rande des ökonomischen Absturzes agieren. „Das bessere Leben“ (S. Fischer) ist ein spannungsgeladener philosophischer Roman über die Gegenwart, die ihre Vergangenheit nicht abstreifen kann. Im Studio LCB liest Ulrich Peltzer erstmals aus seinem neuen Roman und diskutiert mit der Kritikerin und Autorin Ursula März sowie mit der aus Salzburg stammenden und schon lange in Berlin lebenden Schriftstellerin Kathrin Röggla.

Weiterführende Information

Zu Beginn der Veranstaltung stellt Hubert Winkels eine Gemeinsamkeit der Gäste fest - sie alle kämen aus der "Provinz". Nach einer kurzen Befragung zu diesem Thema wendet sich das Gespräch schnell dem Politischen in der Literatur zu. Ursula März stellt fest, dass zu Ulrich Peltzers Romanen eine "politisierte Ästhetik" gehöre. Ulrich Peltzer zitiert Faulkner - "die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist nicht einmal vergangen" - um die gegenwärtige Relevanz historischer Ereignisse zu betonen. Der größte Unterschied zur Gegenwart, meint Ursula März, bestehe im Verhältnis der Menschen der Vergangenheit zu ihrer Zukunft. Peltzers Roman, so wird im Gespräch festgestellt, lebe nicht zuletzt von der Spannung zwischen politischen Prozessen und den Handlungen des Einzelnen.

Nach der ersten Lesung wendet sich das Gespräch dem Protagonisten des neuen Romans zu. Sein Name, "Sylvester Lee Fleming", sei "geradezu kurious überkodiert", findet Ursula März, der Mann selbst "nicht ganz von dieser Welt". Ulrich Peltzer spricht über die stets verbleibende Distanz zu seinen eigenen Figuren, eine Distanz, die er mit erzählerischen Mitteln auszuleuchten versuche. Ursula März bezeichnet das Buch trotz seiner philosophischen Dimensionen als "Thriller", Hubert Winkels widerspricht dieser Auslegung zumindest teilweise. Bis zur zweiten Lesung steht vor allem die verwickelte Handlungsstruktur des Buches im Mittelpunkt des Gespräches.

Personen auf dem Podium