Zeitzeugen berichten: Hans-Jochen Vogel: Terrorismus und Rechtsstaat

11. März 2004
Deutsches Literaturarchiv Marbach

Veranstaltungsort


Goethe-Institut Amsterdam

Vortrag: Hans-Jochen Vogel
Moderation: Jacco Pekelder
Sammlung „Goethe-Institut Amsterdam“: Tonkassette 204 

Programmtext

Hans-Jochen Vogel (1926) begann seine Karriere in München als jüngster Bürgermeister einer europäischen Millionenstadt (1960-1972). Während dieser Amtsperiode erlangte er vor allem Bekanntschaft mit seiner erfolgreichen Stadt- und Verkehrsplanung, genauso wie mit der logistischen Vorbereitung der Olympischen Spiele 1972. Leider wurden gerade diese Spiele, die ein reales Bild eines positiven und liberalen Deutschlands hätten vermitteln können, ein Albtraum, bei dem israelische Athleten von palästinischen Terroristen entführt und ermordet wurden. Während der Regierung Willy Brandts wurde Vogel im Jahre 1972 Bundesbauminister und später, während der Regierung Schmidts, Justizminister (1974-1981). Während dieser Periode entwickelte die Rote-Armee-Fraktion ihre terroristischen Aktivitäten, die für die Demokratie nach dem Krieg ein besonderes Problem darstellten. Nach dem Fall Schmidts 1982 wurde er Oppositionsleiter der SPD und Parteivorsitzender. Nachdem er sich aus der Leitung 1990/91 zurückzog, widmetet er sich vor allem seiner Initiative „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, die sich zum Ziel nahm, die Erinnerungen an die Verbrechen der Nazis zu bewahren.  2003 erhielt er von dem Zentralrat der deutschen Juden die wichtige Leo-Baeck-Medaille. 

In Zusammenarbeit mit dem Duitsland Instituut Amsterdam und der Genootschap Nederland-Duitsland.

Weiterführende Informationen

Im  Gespräch mit Jacco Pekelder blickt Hans-Jochen Vogel auf sein politisches Leben zurück. Im Zentrum steht dabei die Reaktion des deutschen Rechtsstaats auf die terroristischen Attacken der Roten Armee Fraktion. Vogel erläutert den Paragraphen 129a und geht genauer auf das Kontaktsperregesetz ein, das den Versuch darstellte, die die auf Grundlage des übergesetzlichen Notstands verhängte Kontaktsperre der RAF-Gefangenen auf eine rechtsstaatliche Grundlage zu stellen. Anschließend berichtet er über die internen Entscheidungsfindungen während der Entführung von Hanns Martin Schleyer und über seine Erfahrungen mit Terroranschlägen und Geiselnahmen, angefangen beim Münchner Olympia-Attentat 1972, über die Geiselnahme in der deutschen Botschaft in Stockholm 1975 bis zu den Ereignissen des Deutschen Herbstes. 

Die Sammlung des Goethe-Instituts Amsterdam umfasst 217 Tonkassetten mit Autorenlesungen, Vorträgen, Konferenzen und Performances. Sie wurde dem Deutschen Literaturarchiv Marbach vom Goethe-Institut in Amsterdam gestiftet. Die früheste Aufnahme stammt aus dem Jahr 1989, die späteste aus dem Jahr 2006.

[Die Lesung im Marbacher Online-Katalog findet sich hier.]

Personen auf dem Podium