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Kinga Tóth
Kinga Tóth wurde 1983 in Sárvár, Ungarn, geboren. Sie ist Sprachwissenschaftlerin und unterrichtet deutsche Sprache und Literatur, arbeitet als Kommunikationsspezialistin und ist Lektorin für das Kunstmagazin Palócföld. Sie beschreibt sich selbst als (Klang-)Poetin und Illustratorin. Darüber hinaus ist sie Songwriter und Frontfrau des Tóth Kína Hegyfalu-Projekts sowie Vorstandsmitglied des József Attila Kreises für junge Schriftsteller und aktives Mitglied bei zahlreichen anderen Projekten und Verbänden. Ihre Artikel wurden in Magazinen und auf Webseiten wie Palócföld, Prae.hu, Pluralica, Árgus, Irodalmi Jelen und Irodalmi Szemle veröffentlicht. Tóth ist Teilnehmerin des Austauschprogramms für Schriftsteller zwischen der Akademie Schloss Solitude und jungen ungarischen Schriftstellern in Budapest. Zu ihren Publikationen gehören “Zsúr” (Party) (2013) und “All Machine” (2014) und “The Moonlight Faces”. Zur Eröffnung des Stadtsprachen Festivals 2016 stellte sie mit einer Poesieperformance ihr erstes deutsches Buch “Wir bauen eine Stadt” vor, inzwischen tourte und veröffentlichte sie vor allem in Deutschland, Österreich und den USA und erhielt diverse Stipendien und Preise.
Brygida Helbig
Brygida Helbig (dt. Univ.-Prof. Dr. Brigitta Helbig-Mischewski), geboren am 12. November 1963 in Szczecin (Stettin), ist eine deutsch-polnische Schriftstellerin, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin und Übersetzerin. 1983 zog sie nach Deutschland. Von 1994 bis 2015 war sie Mitarbeiterin und Privatdozentin der Humboldt-Universität zu Berlin. Zur Zeit ist sie Professorin am Deutsch-Polnischen Forschungsinstitut am Collegium Polonicum in Słubice. Helbig ist Autorin der Monographie über Maria Komornicka „Ein Mantel aus Sternenstaub“ (2005). Ihr Roman „Niebko“ („Himmelchen“) kam 2014 ins Finale des NIKE-Preises, ihr Prosaband „Enerdowce i inne ludzie” („Ossis und andere Leute“) wurde für die Literaturpreise NIKE und GRYFIA nominiert.
Jùmọké Bọlanle Adéyanju
Jùmọké Bọlanle Adéyanju ist in Aachen in einer Yoruba Familie aufgewachsen. Sie hat an der Humboldt-Universität zu Berlin studiert. Als junge Tänzerin hat sie sich in die Hip-Hop-Kultur verliebt. 2012 organisierte sie das erste Break Dance Battle in Zanzibar. Momentan organisiert und veranstaltet sie die populären Veranstaltungen POETRY MEETS Hip Hop und POETRY MEETS Soul in Berlin. Sie lehrt an der Alice Salomon Hochschule Berlin, ist Verteidigerin der Jugendkultur in der Türkei und ist aktives Mitglied des WAKA Poetry Club in Dar es Salaam, Tanzania. Für verschiedene Veranstaltungen in Deutschland, Tanzania und New York (Afropolitan Presents) stand sie schon auf der Bühne und führte ihre Gedichte auf Englisch, Deutsch, Kiswahili und Yoruba auf. Adéyanju leitet das neu gegründete Ujamaa Culture Center (als Co-Director/Mitgründer) – ein Gemeindezentrum für afrikanisch-diasporische Menschen.
Colson Whitehead
Colson Whitehead, 1969 in New York geboren, studierte an der Harvard University und arbeitete für die New York Times, Harper's und Granta. Whitehead erhielt den Whiting Writers Award (2000) und den Young Lion’s Fiction Award (2002) und war Stipendiat der MacArthur „Genius“ Fellowship. Für seinen Roman Underground Railroad wurde er mit dem National Book Award 2016 und dem Pulitzer-Preis 2017 ausgezeichnet. Bei Hanser erschienen bisher John Henry Days (Roman, 2004), Der Koloß von New York (2005), Apex (Roman, 2007), Der letzte Sommer auf Long Island (Roman, 2011), Zone One (Roman, 2014) und Underground Railroad (Roman, 2017). Der Autor lebt in Brooklyn.
Forrest Gander
Forrest Gander, geboren in der Mojave-Wüste, lebt heute mit der Künstlerin Ashwini Bhat in der Nähe von San Francisco, Kalifornien. Er studierte Geologie und Englische Literatur und ist als Autor sowie als Übersetzer tätig und veröffentlicht kritische Essays in »The Nation«, »The New York Times Book Review« und im »New York Journal of Books«. In San Francisco traf er die Dichterin C. D. Wright und lebte mit ihr zusammen in Mexiko, Arkansas und schließlich Rhode Island, wo Gander an der Harvard University unterrichtete und das Literary Arts Program an der Brown University leitete. Von der zeitgenössischen lateinamerikanischen Dichtung inspiriert, die er in Mexiko kennengelernt hatte, begann er mit seiner Übersetzertätigkeit von Werken aus Mexiko, Bolivien, Argentinien, Chile, Spanien und Japan und wurde mehrfach dafür ausgezeichnet.
Neben seinen Essays und Übersetzungen veröffentlichte er mehrere Lyrikbände. Zuletzt erschien der Band »Be With« (2018), für den er mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnet wurde. Ganders Lyrik beschäftigt sich mit der Komplexität von Intimität und Freundschaft sowie dem wechselseitigen Verhältnis von menschlicher und nichtmenschlicher Welt – ein Genre, das den Namen Ökopoetik erhalten hat. 2008 erschien sein erster Roman »As a Friend« (dt. »Als es dich gab«, 2010), der gerade verfilmt wird. Darin löst ein Landvermesser in seiner Umgebung eine Atmosphäre der Erotik und der intensiven Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbst aus. 2014 veröffentlichte Gander seinen gefeierten zweiten Roman »The Trace« (Ü: Die Spur) über ein Paar, das sich auf den Spuren des Bürgerkriegsschriftstellers Ambrose Bierce in der Chihuahua-Wüste verirrt.
Gander arbeitet häufig mit anderen Künstler*innen zusammen, darunter Ann Hamilton, Sally Mann, Gus Van Sant und Graciela Iturbide. Er erhielt Stipendien von der Library of Congress, der Guggenheim, der Howard, der Whiting und der United States Artists Foundation.
Literarisches Colloquium Berlin
Seit mehr als fünfzig Jahren ist das Literarische Colloquium Berlin tief im Berliner Literaturleben verwurzelt und strahlt zugleich weit über die Stadt hinaus. Die Gründerzeitvilla am Wannsee ist ein experimentierfreudiger Ort für eine Vielzahl von öffentlichen Veranstaltungen – ob Buchvorstellung, Open-Air-Festival, Leseparcours auf kleinen Bühnen oder Comic-Vernissage, ob ein Deutschlandfunk-Gespräch in der Reihe »Studio LCB«, eine politische Gesprächsreihe, das Dramatiker·innenlabor oder die Gartenmesse »Kleine Verlage am Großen Wannsee«.
In Wechselwirkung mit dem Programm des Hauses entsteht seit langen Jahren die Literaturzeitschrift »Sprache im technischen Zeitalter«. Alljährlich findet außerdem die Autorenwerkstatt Prosa statt, alle zwei Jahre werden der von Günter Grass gestiftete Alfred-Döblin-Preis (in Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste) und der von Jörg A. Henle gestiftete Preis für Literaturkritik vergeben.
Das LCB ist ein internationales Residenzhaus und verbindet sein Angebot an Gästezimmern mit einer Reihe von Stipendienprogrammen für Autor·innen und Übersetzer·innen aus dem In- und Ausland. Gleichzeitig zieht das Haus auch selbst in die Welt und initiiert regelmäßig Reiseprojekte und Austauschprogramme, ursprünglich mit dem Schwerpunkt Mittel- und Osteuropa.
Eine entscheidende Rolle spielt der Bereich Übersetzerförderung: Die Berliner Übersetzerwerkstatt, das Internationale Übersetzertreffen oder der Übersetzertag haben im LCB-Jahr ihre festen Plätze. Ganz in diesem Sinne entstand im Haus der Deutsche Übersetzerfonds, der seit mehr als 20 Jahren Stipendien- und Workshopangebote entwickelt und mit dem TOLEDO-Programm Übersetzer·innen im Austausch der Kulturen unterstützt.
Seit 2006 bietet das Portal Literaturport.de über tausend Autor·innen einen digitalen Hafen, mit neuen Texten, Veranstaltungskalender, Navigator durchs Preise- und Stipendienangebot und Vernetzung der internationalen Literaturszenen Berlins.
Unterhaltungen deutscher Eingewanderten
Ergebnis zu diesem Suchbegriff im Hörraum „Unterhaltungen deutscher Eingewanderten“; ein audiovisueller Parcours von Marica Bodrožić und Deniz Utlu
Mustafa Khalifa
Der syrische Schriftsteller und Aktivist Mustafa Khalifa wurde 1948 in Dscharābulus in der Nähe der türkischen Grenze geboren und wuchs in Aleppo auf. Bereits als Jugendlicher beteiligte er sich an politischen Aktionen und wurde zweimal verhaftet. Sein Jurastudium in Damaskus schloss er erst danach ab. 1979/1980 und 1981–1994 war er ohne Gerichtsprozess in verschiedenen Gefängnissen inhaftiert, darunter im berüchtigten Militärgefängnis von Palmyra. Nach seiner Entlassung hatte er bis 2006 Ausreiseverbot, dann emigrierte er in die Vereinigten Arabischen Emirate und lebt seit 2011 in Paris.
Seine Erlebnisse und Eindrücke aus seiner Gefängniszeit verarbeitete er in seinem ersten Roman »Al-Qauqaʼa« (arab. 2008; dt. »Das Schneckenhaus«, 2019). Khalifa ist außerdem Autor politischer und publizistischer Texte. 2012 erschien seine Analyse »What if Bashar Assad Wins?«, in der er, ausgehend von einem hypothetischen Sieg des syrischen Regimes, die Konsequenzen auf innerstaatlicher Ebene gedanklich durchspielt. Außerdem veröffentlichte die Arab Reform Initiative 2013 Khalifas Studie »The Impossible Partition of Syria«, in der er eine mögliche Teilung Syriens als Katastrophe bewertet, da sie einen Frieden nicht wiederherstellen könne und zudem die Stabilität der Nachbarländer bedrohe. 2015 wurde Khalifa mit dem deutschen Ibn-Ruschd-Preis für freies Denken geehrt.
Nona Fernández
Nona Fernández wurde 1971 in Santiago de Chile geboren. Sie absolvierte zunächst eine Ausbildung zur Schauspielerin und gründete ein eigenes Ensemble, bevor sie 2000 mit dem Kurzgeschichtenband »El Cielo« (dt. »Der Himmel«, 2014) ihr schriftstellerisches Debüt vorlegte.
Zwei Jahre später folgte der Roman »Mapocho« (2002; dt. »Die Toten im trüben Wasser des Mapocho«, 2012), der mit dem Premio Municipal de Literatura ausgezeichnet wurde, einem der wichtigsten Literaturpreise Chiles. Hauptfigur des Romans ist die junge Chilenin Rucia, die der Liebe wegen nach Santiago reist – die Stadt, in der sie aufgewachsen ist. Dort gerät sie in ein Labyrinth aus Erinnerungen, Geheimnissen und Lügen, das immer tiefer hineinführt in die Geschichte ihres Landes. Dass Nona Fernández auch als Drehbuch- und Theaterautorin tätig ist, spiegelt sich in ihrer Prosa: Eine Vorliebe für Dialoge, ein ökonomischer Umgang mit Sprache und Bilder von kinematografischer Qualität zeichnen ihre erzählenden Texte aus.
Ihr Theaterstück »Liceo de niñas« (UA 2015; dt. »Mädchenschule«, deutschsprachige Erstaufführung 2021), das Gegenwart und Vergangenheit Chiles, vertreten durch heutige und frühere Schülerinnen, miteinander in den Dialog treten lässt, war für den Deutschen Jugendtheaterpreis 2022 nominiert. Zuletzt in deutscher Übersetzung erschienen ist der Roman »La dimensión desconocida« (2016, dt. »Twilight Zone«, 2024). Er spielt zur Zeit der Militärdiktatur in Chile und erzählt von einem Mitarbeiter der Geheimpolizei, der sich an die Journalistin einer oppositionellen Zeitschrift wendet, um seine Beteiligung an den brutalen Machenschaften des Regimes einzugestehen. »Durch ihre virtuose Verbindung von historischer Realität und literarischer Imagination konfrontiert Nona Fernández die Leser nicht nur mit einem dunklen Kapitel der Geschichte Chiles, sie öffnet das Thema auch für generelle Fragen des Umgangs mit historischen und kollektiven Traumata«, befand die »FAZ«. Der Roman wurde mit dem Premio Sor Juana Inés de la Cruz ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den National Book Award.
Nona Fernández lebt in Santiago de Chile.
Stand: April 2024
Alia Trabucco Zerán
Alia Trabucco Zerán wurde 1983 in Santiago de Chile geboren. Sie ist Autorin und Schriftstellerin. Nach einem Jurastudium in Santiago de Chile absolvierte sie im Rahmen eines Fulbright-Stipendiums ein spanischsprachiges Creative Writing-Studium an der New York University und promovierte anschließend am University College London in Lateinamerikastudien. Zerán hat sich als Juristin und Autorin u. a. mit Fragen der Menschenrechte beschäftigt und wurde 2022 mit dem Anna-Seghers-Preis ausgezeichnet.
In ihrem Debütroman »La Resta« (2015; dt. »Die Differenz«, 2021) werden drei Kinder von ehemaligen linken Widerstandskämpfern mit der Vergangenheit der Pinochet-Diktatur konfrontiert. Felipe, dessen Eltern unter dem Regime verschwanden, sieht in Santiago de Chile überall Leichen, die er zwanghaft zählt. Auch Iquela und ihre im Berliner Exil aufgewachsene Kindheitsfreundin Paloma sind auf der Suche nach ihrem Platz in einer zerrissenen Gesellschaft. Der Roman erzählt in einer zutiefst suggestiven Sprache von der Schwierigkeit des Erinnerns und Vergessens und den Verwerfungen einer Diktatur, die bis ins Herz der Menschen reicht.
In ihrer zweiten Publikation, dem erzählenden Sachbuch »Las Homocidas« (2019; Ü: Die Mörderinnen), unterzieht Trabucco Zerán die Biografien von vier chilenischen Frauen, die zu Mörderinnen geworden sind, einer kritischen Tiefenanalyse. Dabei beleuchtet sie die gesellschaftlichen und psychologischen Hintergründe aus einer dezidiert feministischen Perspektive und kommentiert parallel, in einer Art Tagebuch, ihre Recherche.
In ihrem aktuellen Roman »Limpia« (2021; dt. »Mein Name ist Estella«, 2024, Ü: Benjamin Loy) widmet sich Trabucco Zerán der prekären Arbeitswelt zumeist weiblicher Hausangestellter: Nachdem die Tochter ihrer Arbeitgeber zu Tode gekommen ist, wird die Hausangestellte Estela vernommen. Ihre Aussage entwickelt sich zu einer schwindelerregenden und psychologisch komplexen Nahaufnahme unüberbrückbarer Klassenunterschiede. »Es ist der um Sachlichkeit bemühte, abgebrühte, fast schon emotionslose Berichtston, der diesem Buch seine Wucht gibt.« (»Neues Deutschland«)
Alia Trabucco Zerán lebt in Santiago, Chile.
Stand: Mai 2024