Das deutsche Krokodil

29. August 2017
Literarisches Colloquium Berlin

Lesung: Ijoma Mangold
Moderation: Florian Illies

Programmtext

„Wenn der Junge das Telefon abnimmt,  meldet er sich mit seinem vollen  Namen. Manche Anrufer, die seine  Mutter sprechen wollen, sind belustigt  und ahmen ihn nach, als hätte der  Junge in kindlicher Selbstverliebtheit  etwas gesungen, das ein zärtliches  Echo verdient. Wenn er seinen ganzen  Namen ausspricht, kommt er auf neun  Silben. Sie haben nicht nur Klang,  sondern auch Rhythmus. Wie eine  Wellenbewegung. Aber das ist nicht  der Grund, warum er den Mund so  voll nimmt; es ist der Versuch, sein  Schicksal abzuschwächen. Sein zweiter  Vorname, das ist seine Hoffnung, soll  die Exotik seines ersten Vornamens  mildern: Ijoma Alexander Mangold.“  Mit »Das deutsche Krokodil« (Rowohlt  Verlag) hat der Literaturkritiker Ijoma  Mangold seine Geschichte geschrieben:  In den siebziger Jahren wächst er  in Heidelberg auf. Seine Mutter  stammt aus Schlesien, sein Vater ist  aus Nigeria nach Deutschland  gekommen, um sich zum Facharzt für  Kinderchirurgie ausbilden zu lassen.  Weil es so verabredet war, geht er  nach kurzer Zeit nach Afrika zurück  und gründet dort eine neue Familie.  Erst zweiundzwanzig Jahre später  meldet er sich wieder und bringt  Unruhe in die Verhältnisse. Wie  wuchs Ijoma Mangold als „Mischlingskind“  und „Mulatte“ in der Bundesrepublik  auf? Wie geht man mit einem  abwesenden Vater um? Und womit  fällt man in Deutschland mehr aus  dem Rahmen: mit einer dunklen Haut  oder mit einer Leidenschaft für  Thomas Mann und Richard Wagner?

Personen auf dem Podium