Studio LCB mit Ilse Aichinger

30. Oktober 1996
Literarisches Colloquium Berlin

Lesung: Ilse Aichinger
Moderation: Hajo Steinert
Gesprächspartner: Richard Reichensperger

Weiterführende Informationen

Einer der Besonderheiten dieser Lesung ist, dass Hajo Steinert sie gar nicht moderiert, sondern nach seiner Einleitung die Gesprächsleitung Richard Reichensperger überlässt. Hat man sich die ganze Lesung angehört, kommt man zu dem Schluss, dass Ilse Aichinger als medienscheuer Mensch darum gebeten hat, ein Gespräch mit einer vertrauten Person zu führen. Die Autorin legt während der Veranstaltung großen Wert darauf, anzuzeigen, dass sie nicht gerne im Mittelpunkt steht. In ihrer betont uneitlen Weise spricht Aichinger leise über ihre Lebensstationen, die auch die thematischen Eckpunkte dieser Sendung bilden. Die schrecklichen Erfahrungen des Antisemistismus' während des Dritten Reiches und die gesellschaftliche Not nach 1945 bilden einen Strang des Gesprächs. Der andere Strang orientiert sich an der Art und Weise ihres Schreibens und Denkens, wobei Aichinger ihrer Arbeit als Schriftstellerin nicht unbedingt große Bedeutung beimisst - sie betont immer wieder, literarisch schreiben könnten sehr viele Menschen. Der Moderator Reichensperger ist in dem Falle der adäquate Gesprächspartner, denn in der Rolle des Bewunderers entsteht die Gesprächsatmosphäre, die Aichinger behagt. Alles, was "Getriebe" darstellt (sie meint damit den Literaturbetrieb), gefällt ihr schließlich nicht so gut.

Programmtext

Am Vorabend ihres 75. Geburtstages liest Ilse Aichinger aus ihrem Werk.

Personen auf dem Podium