Studio LCB mit Christoph Hein

25. August 1997
Literarisches Colloquium Berlin

Lesung: Christoph Hein
Moderation: Hajo Steinert
Gesprächspartner: Lothar Baier, Werner Stötzer

Weiterführende Informationen

Zu den Gepflogenheiten des Studio-LCB gehört, dass der Autor, dessen neu vorzustellendes Werk im Mittelpunkt steht, sich seine Gesprächspartner aussuchen darf. Gern gesehene Gesprächspartner sind in der Regel Schriftsteller, die man als Kollegen achtet, Kritiker, die dem neuen Text wohlgesonnen begegnen, oder Literaturwissenschaftler, dessen analytisches Potenzial man schätzt. Bei Christoph Hein lässt sich eine Strategie an seiner Auswahl ablesen, denn mit Werner Stötzer hat er jemanden eingeladen, der selber als Künstler tätig ist (als Bildhauer). Und mit Lothar Baier wird zwar ein Literaturwissenschaftler in die Diskussionsrunde miteinbezogen, aber Stötzer, Baier und Hein gehören der selben Generation an und haben eine ähnliche Nachkriegssozialisation im Osten Deutschlands hinter sich. Das bedeutet nicht, dass Hein sich hier als ein Gegner einer kritischen Auseinandersetzung erweist. Aber mit der Auswahl der Mitdiskutanten macht er deutlich, dass sein neues Buch an eine bestimmte Leserschaft adressiert ist. Denn als eine Indiziensuche sowie als eine Suche nach einer verlorenen Zeit wird der Text schließlich gewertet, der von den frühen 50er Jahren in der Ostzone Deutschlands berichtet. Man zeigt sich beeindruckt von der Schilderung des kleinbürgerlichen Milieus, von der Feinfühligkeit, mit der Hein seine Figuren konstruiert hat, und von der Genauigkeit, mit der das Zeitkolorit eingefangen ist.

Programmtext

Christoph Hein, geboren 1944 in Heinzdorf/Schlesien, aufgewachsen in Sachsen, gehört zu den wenigen Autoren, die vor 1989 sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik gleichermaßen großen Erfolg beim Lesepublikum hatten. Romane wie "Der fremde Freund" (1982), "Horns Ende" (1985) oder "Der Tangospieler" (1989) trugen zum Ruhm eines Autors bei, der sich wiederholt in die kulturpolitischen Diskussionen der DDR einmischte. Unvergessen ist seine Rede auf dem 10. Schriftstellerkongreß 1987. Vehement forderte er die Aufhebung der Zensur. In diesem Herbst erscheint der lang erwartete neue Roman von Christoph Hein. In "Von allem Anfang an" erzählt er von einem Jungen in einer Kleinstadt der DDR in den fünfziger Jahren. Daniel steckt mitten in der Pubertät. Er langweilt sich, leidet unter dem Ehekonflikt seiner Eltern und flüchtet in Träume über ein verwegenes Leben als Schauspieler oder Artist, am besten in Westberlin. Die Geschichte spielt, als russische Panzer nach Budapest rollen, um den Aufstand niederzuschlagen. Hein liest aus dem Manuskript und diskutiert anschließend mit dem Publizisten Lothar Baier und dem Bildhauer Werner Stötzer.

Personen auf dem Podium