Studio LCB mit Peter Schneider

23. April 2013
Literarisches Colloquium Berlin

Lesung: Peter Schneider
Gesprächspartner: Monika Maron, Friedmar Apel
Moderation: Maike Albath

Programmtext

Was passiert, wenn man im Alter von siebzig Jahren auf unbekannte Seiten der eigenen Mutter stößt und sie kaum wiedererkennt? Dem Schriftsteller Peter Schneider ist es so ergangen, und er hat einen Roman darüber geschrieben: In "Die Lieben meiner Mutter" rekonstruiert er ein bemerkenswertes Frauenleben und kommt auch sich selbst auf die Spur. Keine eindimensionale Familiengeschichte, sondern eine facettenreiche Fallstudie ist das Ergebnis. Aus alten Briefen in Sütterlin und eigenen Erinnerungen schält sich das Bild einer leidenschaftlichen Person heraus, die ungeachtet aller Konventionen eine Dreiecksbeziehung einging. 1940 in Lübeck geboren, wuchs Peter Schneider in Königsberg, Sachsen und dem bayerischen Grainau auf, bis die Familie nach Freiburg übersiedelte, wo Schneider Germanistik, Philosophie und Geschichte studierte. 1965 noch als Redenschreiber der SPD aktiv, avancierte er drei Jahre später zu einem der Wortführer der 68er-Bewegung. Man könnte ihn auch den Erfinder der Toskana-Fraktion nennen, denn mit seinem Roman "Lenz" (1973) brachte er die Italiensehnsucht seiner Generation auf den Punkt. Italien blieb für Peter Schneider ein vielfältiger Bezugspunkt, der sich in seiner schriftstellerischen Arbeit niederschlug. Neben einer ganzen Reihe von Romanen, wie "Der Mauerspringer" (1982), "Paarungen" (1992) und "Skylla" (2005), legte Peter Schneider auch Essays und Reportagen vor. Im Studio LCB wird er zum ersten Mal aus seinem neuen Roman lesen und mit Monika Maron und Friedmar Apel über den Umgang mit Erinnerung diskutieren.

Weiterführende Information

In diesem Studio-LCB umkreisen die Teilnehmer das Phänomen der Erinnerung. Mal geht es um die kollektive Memoria. Dann zeichnet Peter Schneider ein Bild der 60er Jahre, auf dem die zentralen Figuren jener Zeit - wie zum Beispiel Rudi Dutschke - aufflackern. Mal dreht sich alles um die persönliche Erinnerung. Hier erfährt der Zuhörer, wie Peter Schneider seine Mutter als junge Frau in unruhigen Kriegs-Tagen porträtiert. Nach und nach bemerkt man jedoch, wie der Autor darauf zusteuert, einen Entwurf des menschlichen Gedächtnisses zu zeichnen. Das Muster der Erinnerungsfähigkeit überrascht schließlich durch ihre Unzuverlässigkeit. "Der Erinnerung kann man nicht trauen" stellt Schneider im Gespräch fest und erinnert sich daran, wie er als Kind amerikanische Soldaten Lebensmittel unter der Bevölkerung verteilen sah. Jahrzehnte später erfuhr Schneider, dass es sich dabei nicht um GIs gehandelt hatte, sondern um SS-Leute, welche Lebensmittel verhökerten, um zivile Kleidung zu erhalten. Helfen

Personen auf dem Podium