Studio LCB mit Feridun Zaimoglu

14. April 2008
Literarisches Colloquium Berlin

Lesung: Feridun Zaimoglu
Gesprächspartner: Vedat Çorlu, Gisa Funck und Ulrich Greiner
Moderation: Denis Scheck

Programmänderung: Anstelle von Iris Radisch nahm Ulrich Greiner an der Veranstaltung teil.

Sobald alle Rechtsinhaber zugestimmt haben, wird diese Veranstaltung vollständig nachzuhören sein.

Programmtext

"Es wurde dunkel, es wurde hell, dann aber starb ich." So beginnt der neue Roman des 1964 in Anatolien geborenen, heute in Kiel lebenden deutschen Erzählers Feridun Zaimoglu. "Liebesbrand" heißt diese Geschichte der Suche nach einer Frau, die engelhafte Züge trägt, eine Geschichte, in der Feridun Zaimoglu die autobiographische Erfahrung eines fast tödlichen Autounfalls in der Türkei verarbeitet. In Büchern wie "Kanak Sprak", "Abschaum" und "Koppstoff" hat Zaimoglu den Jargon von Migrantenkindern der zweiten und dritten Generation literarisch festgehalten - inwiefern diese Sprache wirklich dokumentiert oder nicht vielmehr schlicht erfunden war, darüber darf man streiten. Seither gilt Feridun Zaimoglu jedenfalls als Spezialist für die Problematik eines Lebens zwischen den Welten von deutscher Moderne und türkischer Tradition. Es folgten die Romane "Liebesmale, scharlachrot" und "German Amok", die in der Jetztzeit spielten, und 2006 dann der große Roman "Leyla", in dem Feridun Zaimoglu aus der Perspektive eines Mädchens die Geschichte einer türkischen Familie aus der Mitte des letzten Jahrhunderts und ihrem Hin- und Hergerissensein zwischen Tradition und Moderne erzählte. Im LCB wird Feridun Zaimoglu einige Passagen aus seinem neuen Roman "Liebesbrand" lesen und im Gespräch mit den Literaturkritikerinnen Gisa Funck und Iris Radisch sowie seinem türkischen Übersetzer Vedat Çorlu über Deutschland und die Türkei und den Transfer von Leben in Literatur diskutieren.

Weiterführende Informationen

Eine Aufnahme, in der es hauptsächlich um das wechselseitige deutsch-türkische Kulturverständnis geht. So berichtet der türkische Übersetzer und Verleger Vedat Çorlu, dass sich das Publikum der Türkei fast gar nicht für türkischstämmige Autoren, die auf Deutsch schreiben (wie beispielsweise Feridun Zaimoglu), interessiere. Zwar stießen die deutschsprachigen Klassiker der Moderne - Kafka, Rilke, Thomas Mann - auf großes Interesse, aber die zeitgenössische Literatur des deutschsprachigen Raums sei so gut wie unbekannt. Auch Zaimoglus besonderes Verhältnis zur deutschen Sprache ist ein Thema dieser Sendung. So beschreibt Ulrich Greiner Zaimoglus Zugang zum Deutschen folgendermaßen: Entgegen einem Einheimischen empfinde dieser seine Zugehörigkeit nicht als eine "Banalität", sondern aufgrund seiner Erfahrung als Immigrant lade es sich mit einem besonderen Wert auf. Zaimoglu betont diesbezüglich, dass er einen minnesängerischen Bezug zur Wirklichkeit habe, der ihm dann beim Schreiben seiner Bücher diene - und berichtet noch, wie er als kleiner Junge in Supermärkten massenweise Science-Fiction-Bücher und Krimis für zehn Pfennig gekauft habe.

Personen auf dem Podium