Studio LCB mit Péter Nádas

25. April 1992
Literarisches Colloquium Berlin

Lesung: Péter Nádas
Moderation: Hajo Steinert
Gesprächspartner: Cees Nooteboom, Joachim Sartorius

Weiterführende Informationen

Dieses Studio-LCB war angekündigt als eine Lesung, in der Péter Nádas im Mittelpunkt steht. Wenn man die Aufnahme heute hört, wird aber deutlich, dass zwei Schriftstellern zu gleichen Anteilen Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Was hierbei nicht überrascht, ist, dass sich beide Autoren in ihrem Wesen unterscheiden und ein unterschiedliches Werk herausgebracht haben. Aber es gibt frappante Überschneidungen  und diese Übereinstimmungen zählen zu den Schwerpunkten der Sendung. So haben beide Schriftsteller - unabhängig voneinander - eine Szene beschrieben, in der ein Tier mit dem schönen Namen "Totengräber" eine zentrale Rolle spielt (es handelt sich um einen Käfer, der seine Larven in Kadaver legt).
Zu Beginn der 90er wurde Péter Nádas' 1300 Seiten langer Roman "Buch der Erinnerung" in der Übersetzung von Hildegard Grosche in den deutschen Feuilletons mit Hymnen bedacht - heute meint man, Buch und Verfasser seien beinahe in Vergessenheit geraten. Die Diskussion über Nádas' monumentalen Roman gabelt sich in unterschiedliche Richtungen. Zum einen geht es um den autobiographischen sowie historischen Anteil im "Buch der Erinnerungen" - Nádas als Sohn einer Funktionärsfamilie und der tragische Aufstand von 1956 in Ungarn gegen den sowjetischen Imperialismus. Zum anderen thematisiert man den Umfang von Romanen hinsichtlich ihrer Entstehungstechnik - Wie schreibt man über Tausend Seiten lange Bücher? Aber auch der metaphysische Aspekt eines umfangreichen Buches als Schriftstelleraufgabe wird erörtert. Alle Schriftsteller wollen dicke Bücher schreiben, so die These von Cees Nooteboom.
Alle drei Autoren lesen vor: Nádas eine Prosaskizze, die in Ost-Berlin in den 80er Jahren spielt, Nooteboom und Sartorius Gedichte.

Programmtext

Beiden Autoren gelang im letzten Jahr der Durchbruch bei den deutschen Lesern und Kritikern: Péter Nádas' opus magnum "Buch der Erinnerung" ist "ohne Umschweife den großen Werken des Jahrhunderts an die Seite zu stellen", die sich der Erforschung der "ins Unendliche reichenden Stufenleiter der Gefühle" widmen" (Jürgen Engler). Cees Nooteboom erhielt 1991 für seine "Berliner Notizen" den "Literaturpreis zum 3. Oktober". Beide, Nádas und Nooteboom, waren Gäste des Berliner Künstlerprogramms des DAAD, dessen Leiter Joachim Sartorius am Podiumsgespräch teilnehmen wird.

Personen auf dem Podium